Im Frühjahr 2013 begannen im Innenhof des Museums die Bauarbeiten für ein neues Tiefdepot. Bevor schwere Baufahrzeuge auf das Gelände rollen, ließ das Museum das Areal von Archäologen untersuchen. Historische Fundamente und andere Zeugnisse der Geschichte sollten bei der Gelegenheit freigelegt und dokumentiert werden, bevor sie durch die Baumaßnahmen zerstört würden.
Sondierungsgrabungen hatten bereits im Vorfeld stattgefunden, die jedoch keine Hinweise auf das nun entdeckte Gräberfeld gaben. Großflächig wurden zunächst einzelne Bodenschichten abgehoben und die Befunde kartiert. Jede Bodenschicht ergab Hinweise auf tieferliegende Fundsituationen, die weiter ergraben und zeichnerisch wie fotografisch dokumentiert wurden.
Zutage kamen beispielsweise die Fundamente des im Zweiten Weltkrieg zerstörten südlichen Kreuzgangflügels, mittelalterliche Feuerstellen und Spuren der Bodennutzung. Weiterhin bargen die Archäologen eine überraschende Menge von Einzelfunden aus dem 13. bis zum 18. Jahrhundert: Gefäßfragmente, Modeln für Verzierungen und Figuren, Reste von Gläsern oder Metallobjekte geben wertvolle Anhaltspunkte für die Erschließung der Siedlungs- und Nutzungsgeschichte des Areals.
Spektakulär war nun der Fund mehrerer Gräber. Sie alle befinden sich in der Nähe des Chores der Kartäuserkirche. Nebeneinander und in zwei Reihen gegliedert wurden insgesamt rund 20 Personen bestattet, wie üblich mit dem Gesicht nach Osten in Richtung der Kirche, der Richtung der Heilserwartung.
Mehrere Skelette sind bereits freigelegt worden und deutlich zu sehen. Sie scheinen vollständig erhalten zu sein, zu erkennen sind beispielsweise die über der Brust verschränkten Arme. Bodenverfärbungen unmittelbar neben den Skeletten, die auf einen Aushub verweisen, lassen auf weitere Grablegen schließen.
Anschließend werden die menschlichen Überreste untersucht, um ihr Alter und ihren Gesundheitszustand näher zu bestimmen. Danach muss eine Entscheidung über ihren Verbleib getroffen werden. Die Gebeine könnten entweder wiederbestattet oder in würdiger Form in die Sammlung des Museums integriert werden.
Bei dem Baugelände handelt es sich um den Innenhof eines ehemaligen Kartäuserklosters, der ursprünglich komplett von einem Kreuzgang umgeben war und unmittelbar an die zum Kloster gehörende Kirche grenzt. Die Anlage stammt aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Das Kloster wurde 1380 gegründet und bestand bis 1525, im Zuge der Reformation wurde es aufgehoben.





