Begleitet von zahlreichen bedeutenden Leihgaben aus dem In und Ausland sowie dem familiären Umfeld von Maurice Denis zeigt das Neusser Museum noch bis zum 8. Januar 2012 erstmals seinen Bestand an Werken beider Künstlerpersönlichkeiten, um deren wechselseitige und zukunftsweisende Einflussnahme darzustellen.
Aristide Maillol und Maurice Denis suchten und fanden etwa ein identisches Schönheitsbild – sogar ihre Ehefrauen waren vom selben Typus und demzufolge die idealen Modelle, wie es in der Ausstellung etwa anhand der lebensgroßen Pomona von 1908 1910, der berühmtesten stehenden Aktfigur Maillols aus dem Museum Ostwall in Dortmund, und dem großformatigen Denis Gemälde Frauen mit Flieder oder Akte in der Dämmerung von 1898 aus dem Clemens Sels Museum Neuss eindrücklich vorgeführt wird.
Oft wird Aristide Maillol als der “Cézanne der Bildhauerei” bezeichnet, da er wie dieser der Abstraktion den Weg bereitet hat. Das Hauptthema seines Schaffens war der weibliche Akt. Mit seinen üppigen, sinnlichen und dabei vollendet ebenmäßigen Figuren schuf Maillol eine plastische “Liebespoesie”, wie das Harry Graf Kessler, der einflussreiche Förderer der Moderne, einmal formulierte. Maillol verzichtete weitgehend auf Details und individuelle Züge; statt dessen verbreiten seine Aktfiguren eine unendliche Ruhe und harmonische Ausgewogenheit. Am 8. Dezember vor genau 150 Jahren im südfranzösischen Banyuls-sur-Mer nahe der spanischen Grenze geboren, blieb der Künstler seiner Heimat bis zum Tode eng verbunden. Die Familie – Vater Maillol war Tuchhändler und Weinbergbesitzer – hatte für die malerischen Ambitionen des Sprösslings nur wenig übrig, und so muss Aristide bis zu seinem 21. Lebensjahr warten, ehe er nach Paris ziehen kann. Dort lebt er zwei Jahrzehnte in extremer Armut. Als freier Schüler nahm er Zeichenkurse an der École des Beaux-Arts. Es folgen ein paar Monate in der Bildhauerklasse der Kunstgewerbeschule. 1885 erhielt er schließlich seine offizielle Zulassung zur École des Beaux-Arts, wo er bis 1893 eingeschrieben war. Unmittelbar nach Ende des enttäuschenden Studiums geriet Maillol unter den Einfluss der Nabis-Maler, nachdem er Paul Gauguin und Maurice Denis für sich entdeckt hatte: “Gauguin und Maurice Denis waren es, die mir die Augen öffneten, nachdem ich die Akademie verlassen hatte”. Mit Maurice Denis verbindet Maillol fortan eine für beide Seiten überaus fruchtbare Künstlerfreundschaft, der im Clemens-Sels-Museum Neuss noch bis zum 8. Januar 2012 zum ersten Mal überhaupt eine Ausstellung gewidmet ist.





