Als der Ermittler Arthur Martin 15 Jahre später die Akte von Klaus Fuchs studierte, war die Notiz nur einer von vielen Hinweisen darauf, dass Fuchs ein Kommunist war. Immer wieder hatten Geheimdienst-Beschäftigte Zweifel an Fuchs zu Papier gebracht. Doch dessen fachliche Qualitäten hatten stets den Ausschlag dafür gegeben, das Risiko einer Weiterbeschäftigung im britischen Atomprogramm einzugehen. Erst in der Rückschau stand fest, welch ein Lapsus dem MI 5 damit unterlaufen war.
Nach jahrelanger Arbeit war es Briten und Amerikanern gelungen, die Codes der sowjetischen Botschaft in Washington zu knacken. Auf einmal konnten sie große Teile der über die Jahre abgefangenen Funksprüche lesen. Die Auswertung ergab, dass ein sowjetischer Agent die britische Wissenschaftsmission in New York infiltriert hatte. Dieser musste sich zwischen März und Juli 1944 in den USA aufgehalten haben und zudem eine Schwester haben, die ebenfalls in dieser Zeit dort lebte. Die wenigen Hinweise genügten, um Klaus Fuchs ins Fadenkreuz der Ermittler zu rücken.
In Rüsselsheim geboren, hatte Klaus Fuchs seine Jugend in Eisenach verlebt, wo sein Vater Emil Pastor einer Gemeinde in einem Arbeiterviertel war. Von ihm, der zudem engagierter Sozialdemokrat war und sich später den pazifistisch eingestellten Quäkern zuwandte, lernte Klaus vor allem, dass man für seine Überzeugungen einstehen muss.
Als er sich im Mai 1930 an der Universität Leipzig einschrieb, lebten seine Geschwister Gerhard und Elisabeth bereits dort. Bald engagierte er sich genau wie sie in einer SPD-nahen Studentenvereinigung. Im folgenden Jahr wechselten Klaus und Gerhard an die Universität in Kiel – und bald darauf von den Sozialdemokraten zu den Kommunisten. Anlass war die umstrittene Entscheidung der SPD-Führung, bei der Wahl des Reichspräsidenten 1932 keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern Amtsinhaber Paul von Hindenburg zu unterstützen.
Bald gerieten die Brüder ins Visier der Nationalsozialisten. Im Januar 1933 wurde Klaus überfallen und zusammengeschlagen. In der Nacht nach dem Reichstagsbrand entkam er dann eher zufällig dem Zugriff der Polizei, als er mit dem Frühzug zu einem KPD-Treffen nach Berlin fuhr. Für einige Monate versteckte er sich in der Hauptstadt, ehe er im August nach Aachen reiste, zu Fuß die belgische Grenze passierte und dann nach Paris weiterfuhr.
Dort bekam Fuchs, der ohne finanzielle Mittel war und kein Wort Französisch sprach, Unterstützung von Grete Keilson, der Sekretärin des Generalsekretärs der Komintern, Georgi Dimitroff. Zudem vermittelte sein Vater den Kontakt zu einem Bekannten aus Quäker-Kreisen: Ronald Gunn aus Bristol. Dieser war der Urenkel eines Gründers des Weltkonzerns Imperial Tobacco – und seinerseits bekannt mit dem talentierten jungen Physik-Professor Nevill Mott. Der spätere Nobelpreisträger von der lokalen Universität hatte in Göttingen bei Max Born studiert und sprach fließend Deutsch. Mit Gunns und Motts Hilfe bekam Fuchs ein Visum und einen Studienplatz. 1937 wechselte Fuchs als Assistent zu Motts inzwischen ebenfalls emigriertem Lehrer an die Universität Edinburgh. Born riet ihm dringend, sich nicht politisch zu betätigen. Tatsächlich verhielt sich Klaus unauffällig – und pflegte doch Kontakte zu deutsch-kommunistischen Emigranten wie Jürgen Kuczynski, einem führenden Mitglied der Exil-KPD mit guten Kontakten in amerikanische und sowjetische Geheimdienstkreise.





