Zunächst wird gezeigt, wie sich das Kaiserreich organisierte und die administrativen Strukturen vereinheitlichte. Man führte mit der Mark eine gemeinsame Währung ein und vereinheitlichte das Recht. Danach gehen die Autoren auf die wirtschaftlichen Entwicklungen ein. Sie zeigen, wie es das Deutsche Reich schaffte, sich innerhalb kurzer Zeit zur Wirtschaftsmacht zu entwickeln. Das Reich hatte durch einen schnellen Ausbau der Verkehrswege ein dichtes Infrastrukturnetz geschaffen. Das Kommunikationsnetz, das sich gleichfalls weiter verbreitete, hatte daran auch seinen Anteil. Auch die Produkte, die man jetzt schneller ins Ausland exportieren konnte, trugen dank zunehmender Qualität entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Galten deutsche Produkte lange Zeit als qualitativ minderwertig, so wurde „Made in Germany“ jetzt zum Aushängeschild der deutschen Wirtschaft in der Welt.
Auch auf gesellschaftliche Entwicklungen wird eingegangen. So wird der Bismarcksche Kulturkampf mit der katholischen Kirche ebenso dargestellt wie der wachsende Antisemitismus in der Gesellschaft des Kaiserreichs. Im Blickpunkt steht auch die Reichshauptstadt Berlin, die nach der Reichsgründung enorm wuchs und zum pulsierenden Zentrum wurde. Mit Neuerungen wie zum Beispiel der Sozialgesetzgebung Bismarcks wird veranschaulicht, wie fortschrittlich das Reich auf diesem Gebiet im Gegensatz zu anderen europäischen Monarchien war. Das vorletzte Kapitel zeichnet die Linien deutscher Außenpolitik von der Bündnispolitik Bismarcks bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach.
Exkursartig werden die Monarchien in den einzelnen Bundesländern behandelt. Eingegangen wird dabei nicht nur auf deren Geschichte und ihre Residenzen, sondern auch auf die Landschaften des Territoriums und den hierarchischen Aufbau des jeweiligen Landes.
Mit dem letzten Kapitel endet nicht nur das Buch, sondern auch die Monarchie und das Kaiserreich. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verkündet Phillip Scheidemann am 9. November 1918 vom Balkon des Reichstags die Republik.
Rezension: Lange, Timo





