Die Stadt Meninx entstand wahrscheinlich schon im vierten Jahrhundert vor Christus – damals noch als Teil des Reichs von Karthago. Wegen ihrer günstigen Lage an der geschützten Südostküste der heute zu Tunesien gehörenden Insel Djerba entwickelte sich Meninx zum Hauptort der Insel und zu einer wichtigen Hafenstadt. Über sie wurde in der Antike ein Großteil des wertvollen und begehrten Purpurfarbstoffs verschifft, wie schon der römische Geschichtsschreiber Plinius der Ältere berichtete. Die florierende Purpurgewinnung auf der Insel soll ein Grund dafür gewesen sein, warum die Römer schon im ersten und zweiten punischen Krieg versuchten, Meninx zu erobern. Unter den Römern erlebte die Stadt dann im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus eine wirtschaftliche Blütezeit.
Vor Meer und Feinden gut geschützter Hafen
Wie das antike Meninx und sein Hafen damals aussahen, untersucht seit 2015 ein deutsch-tunesisches Archäologenteam unter Leitung von Stefan Ritter von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Rahmen ihrer Ausgrabungen und mithilfe von Magnetometeruntersuchungen und Sedimentbohrungen gelang es den Forschern, die ungewöhnliche Struktur von Meninx mit ihren parallel zur Küste verlaufenden Straßen zu ergründen und auch die Anlage des antiken Hafens zu rekonstruieren. Demnach lag Meninx vor Wind und Wellen geschützt an einer Flachwasserlagune, die durch breite Sandbänke vom offenen Meer abgegrenzt war. Nur zwei tiefere Kanäle ermöglichten Schiffen die Durchfahrt durch die Lagune – das schützte den Hafen auch vor Angriffen von See. Denn nur Ortskundige kannten die komplizierte Zufahrt zum Hafen, wie Ritter erklärt.
Wollte ein Schiff die Hafenstadt Meninx anlaufen, musste es zunächst über eine tiefe und breite Fahrrinne in einen Nebenkanal einschwenken, der über eine längere Strecke parallel zur Küste verlief. Erst an seinem Ende erreichte man die teils gemauerten, teils hölzernen Piers des Hafens von Meninx. Von dort konnten Arbeiter die Waren leicht zu den nahen Speicherbauten transportieren. Auf Basis von Untersuchungen der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie konnten die Wissenschaftler die Lage dieser antiken Hafenanlagen und ihrer komplizierten Zufahrtswege rekonstruieren. Auch die Relikte zahlreicher Schiffswracks und Reste von Piers wurden in diesem Küstengebiet gefunden.
Prächtige Häuser und importierte Luxusgüter
Im Rahmen ihres Forschungsprojekts konnten Ritter und seine Kollegen auch einige Erkenntnisse zum Aufbau der antiken Stadt Meninx gewinnen. Die Überreste mehrerer Wirtschaftsbauten, Wohnhäuser und Heiligtümer zeugen dabei vom Wohlstand dieser antiken Handelsmetropole. “Wir entdeckten sogar ein gut erhaltenes Privatbad aus der römischen Kaiserzeit, mit Mosaikböden, prächtigen Wandmalereien und Statuen”, berichtet Ritter. Die Quelle dieses Reichtums war der begehrten Purpurfarbstoff, der aus im Mittelmeer heimischen Meeresschnecken gewonnen wurde.





