Aus dem Spätmittelalter, vor allem von den adligen Höfen, sind allerdings Quellen erhalten, die interessante Einblicke sowohl in die Infrastruktur des Badens als auch in die verwendeten Utensilien geben: Briefe berichten beispielsweise von Seifen, die oft über weite Distanzen erworben wurden. Spannend sind daneben auch Besitzverzeichnisse, sogenannte Inventare: Dabei handelt es sich um Listen, die entweder die Besitztümer einer Person erfassen oder auflisten, welche Dinge sich in einem Gebäude befanden. Schließlich lassen auch Bilder interessante Einblicke in die Badekultur zu. Mehrere Buchprojekte zu Briefen und Inventaren an italienischen und deutschen Höfen haben in den letzten Jahren neues Licht auf diese Fragen geworfen.
Seifen dienen als Luxusgüter und Geschenke
Im April 1481 schrieb Federico Gonzaga, Markgraf von Mantua, einer kleinen Renaissancestadt in Oberitalien, seiner Schwester Barbara Gonzaga, die seit sieben Jahren mit Eberhard von Württemberg verheiratet war und sich meistens in Urach aufhielt, folgende Zeilen: „Da Euer Bote zu Euch zurückkehrt, wollte ich ihn nicht abreisen lassen, ohne Euch einige von unseren Dingen zu schicken. Und wenn es auch nur wenige sein werden, so müsse Sie uns entschuldigen, denn diese sind uns aus Neapel gebracht worden … Und so ist es uns jetzt ergangen mit diesen Pülverchen und Seifen. Denn kaum hatten wir diese wenigen gefunden, die wir jetzt an Eure Herrschaft schicken. Und wir versichern Euch, dass sie geradezu in Perfektion dazu dienen, um sich guten Duft zu verschaffen, und die Seifen, um sich am Ofen zu waschen, und wir haben es selbst ausprobiert.“
Dieser Brief, der heute im Staatsarchiv von Mantua im Archivio Gonzaga aufbewahrt wird, ist der einzige aus dem Briefwechsel um Barbara Gonzaga, der Seifen erwähnt. Dass dies kein Zufall ist, lässt sich aus dem Schreiben erkennen: Puder – also die Pülverchen – und Seifen aus Neapel waren regelrechte Luxusgüter, die es wert waren, mit einem eigenen Boten von Neapel nach Mantua und weiter nach Urach in Württemberg geschickt zu werden. Mehr noch, Federico erwähnte seinen militärischen Dienst für den König von Neapel als Gelegenheit, um dort einen Boten zu unterhalten, der neben seinen politischen Aufgaben auch Handelsgeschäfte zu erledigen hatte, insbesondere die Besorgung dieser Seifen und Puder, also Mitteln zur Körperpflege.
Leider erfahren wir nichts darüber, woraus diese Mittel bestanden oder welche Duftnoten sie umfassten. Dafür erhalten wir Einblicke in die Praxis der Körperpflege: Die Püderchen wurden zum Beduften genutzt, die Seifen, um sich zu waschen, und zwar in der Nähe eines Ofens. Es ist hier noch keine Rede von einem Bad, wie wir es von Schloss Ambras (bei Innsbruck) aus dem 16. Jahrhundert kennen. Wir dürfen also von einem „mobilen“ Waschen mittels Krügen und Waschzubern ausgehen, wie wir dies auch aus Bildquellen der Zeit kennen, insbesondere aus Einblicken in Geburtsszenen oder den Bereich der Krankenpflege.





