… August Borsig, 1804 in Breslau geboren, begann seine Karriere als Zimmermann und absolvierte später eine Maschinenbauausbildung. 1836/37 gründete er seine eigene „Maschinenbau-Anstalt“ und Gießerei in dem vom Volksmund „Feuerland“ genannten ersten Berliner Industriegebiet in der Oranienburger Vorstadt (heute Berlin-Mitte). Schon bald konzentrierte er sich auf den Lokomotivenbau und damit auf ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld in einer Zeit, in der man überall das neue Verkehrsmittel einführen wollte. Das Unternehmen wuchs rasch, weitere Produktionsstätten entstanden, 1850 beschäftigte Borsig in drei Betrieben bereits 1800 Menschen. Vier Jahre später, als man die 500. in seinem Unternehmen produzierte Lokomotive feiern konnte, wurde er zum Geheimen Kommerzienrat ernannt.
Das Gemälde Carl Eduard Biermanns, das sich seit 2008 dank der „Geheimoperation Borsig“ (so die „Welt“) dauerhaft im Stadtmuseum Berlin befindet, entstand 1847. Mit dem Auftrag an den Berliner Maler feierte Borsig das zehnjährige Bestehen seiner Fabrik an der Chaussee-straße. So entstand die einzige Ber‧liner Stadtansicht Biermanns, der eigentlich Landschaftsmaler war, und zugleich eines der wenigen Industriegemälde aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt stehen die Gießerei sowie, unmittelbar davor, der mäch‧tige, 1845 fertiggestellte Wasser- und Uhrturm; die Uhr zeigt halb neun. Der Schuppen links diente als Remise und Warenlager. Rechts erkennt man im Hintergrund die Montagehalle. Aus deren Dampf ziehen Pferde fast wie in einem Triumphzug die fertigen Lokomotiven auf den Hof. Die qualmenden Fabrikschlote im Hintergrund verweisen auf weitere metallverarbeitende Fabriken in der Umgebung.
Der Maler erlaubte sich eine künstlerische Freiheit, die zugleich einen deutlichen Hinweis auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmers gab: Abweichend von der tatsächlichen Topographie, montierte er rechts vorn die Terrasse der Villa Borsig in das Gemälde. Der dem Prunk keineswegs abgeneigte Borsig ließ die prächtige Villa damals in Moabit errichten, konnte sie aber kaum noch genießen – er starb bereits 1854…
Dr. Marlene P. Hiller/Dr. Heike Talkenberger





