Die Beteiligung führender Augsburger Frühkapitalisten an der weltweiten europäischen Expansion, der frühen Globalisierung des langen 16. Jahrhunderts, ist zwar bekannt und wird gelegentlich sogar abenteuerlich überschätzt, wurde aber bisher nicht auf dem aktuellen Wissensstand zusammenfassend dargestellt. Als Autor einer Fugger-Geschichte und Mitentdecker der verschollenen, als Bucheinbände verwendeten Welser-Kassenbücher ist Mark Häberlein dazu berufen wie kein anderer. In seinem vorzüglich illustrierten Buch kann er zeigen, dass die globalen Geschäfte der Handelshäuser insgesamt zwar weder deren Expansionsprozess noch deren Entwicklung beherrschten, für beide Seiten aber zeitweise durchaus strategische Bedeutung hatten. Die oberdeutsche Barchentproduktion war der Ausgangspunkt, die Beteiligung beider Firmen am Silber- und Kupferbergbau der Durchbruch. Vor den amerikanischen Silberimporten der Jahrhundertmitte lieferten die Fugger Silber für die Münzen und den Hauptteil des Kupfers für den portugiesischen Afrika- und Indienhandel, während die Welser sich im Osten traditionell im Gewürzhandel engagierten, im Westen im Zucker- und Sklavengeschäft.
Die Conquista der Welser in Venezuela scheiterte jedoch, die geplante der Fugger in Chile wurde gleich gar nicht in Angriff genommen, aber beide Häuser, später nur noch die Fugger, waren wichtige Gläubiger der spanischen Krone, Pächter von Krongütern und auch mit dem amerikanischen Silber befasst. Sie waren außerdem an der Einfuhr indischer Edelsteine, amerikanischer Perlen und Medikamente sowie anderer exotischer Luxusartikel beteiligt. Der Humanist und Welser-Schwager Konrad Peutinger sammelte Informationen über die Welt außerhalb Europas; die Fugger bezogen sie später bereits in Nachrichtenblättern, den „Neuen Zeitungen“.
In den auf Europa beschränkten Filialen und in Übersee spielten halbselbständige Agenten eine große Rolle; vier davon werden vorgestellt: Valentin Fernandes in Lissabon, Ulrich Ehinger und Lazarus Nürnberg in Spanien sowie Ferdinand Cron in Goa. 1614 waren die Welser allerdings bankrott, ihre Chefs saßen in Schuldhaft, während die Fugger weiter prosperierten und umfangreichen Grundbesitz erwarben, bis auch sie Mitte des 17. Jahrhunderts ihre Geschäfte aufgaben. Die weit höheren Gewinne der Fugger aus dem Geschäft mit Kupfer und mit dem Quecksilber des gepachteten Bergwerks im spanischen Almadén machten wahrscheinlich den entscheidenden Unterschied aus. Ausblicke auf die globalen Zusammenhänge und Freude am Detail machen diese souveräne Darstellung erst richtig lebendig.
Rezension: Prof. Dr. Wolfgang Reinhard





