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August, der Künstler

Autor: Dr. Heike Talkenberger

August der Starke gilt vielen seiner Biographen als die Inkarnation barocker Adelskultur: als vitaler Genussmensch, unmoralisch, skrupellos, verschwenderisch.

August, der Künstler
August der Starke gilt vielen seiner Biographen als die Inkarnation barocker Adelskultur: als vitaler Genussmensch, unmoralisch, skrupellos, verschwenderisch. Er liebte die Frauen, die Jagd, rauschende Feste und Musik, investierte Unsummen in die Repräsentation seiner Macht. Dem stehe ein eher geringes militärisches und diplomatisches Geschick gegenüber. Der englische Historiker Tim Blanning sieht ebenfalls diese Aspekte der Persönlichkeit Augusts, doch setzt er noch andere Akzente: Er betont nicht nur, dass „der sächsische Sonnenkönig“ sehr wohl die Wirtschaft seines Stammlandes zu fördern wusste, sondern er sieht August zudem als talentierten Künstler.
Autor
Dr. Heike Talkenberger
16. Juli 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Rezensionen

Dr. Heike Talkenberger

August der Starke gilt vielen seiner Biographen als die Inkarnation barocker Adelskultur: als vitaler Genussmensch, unmoralisch, skrupellos, verschwenderisch. Er liebte die Frauen, die Jagd, rauschende Feste und Musik, investierte Unsummen in die Repräsentation seiner Macht. Dem stehe ein eher geringes militärisches und diplomatisches Geschick gegenüber. Der englische Historiker Tim Blanning sieht ebenfalls diese Aspekte der Persönlichkeit Augusts, doch setzt er noch andere Akzente: Er betont nicht nur, dass „der sächsische Sonnenkönig“ sehr wohl die Wirtschaft seines Stammlandes zu fördern wusste, sondern er sieht August zudem als talentierten Künstler.

Lebhaft, mit Sinn für Anekdoten und Pointen, schildert Blanning Augusts Lebensweg, von seinen frühen Prägungen über den Antritt der Herrschaft als Kurfürst von Sachsen nach dem Tod seines älteren Bruders (seit 1694) und sein Wirken als polnischer König und Großfürst von Litauen (1697–1706 und 1709–
1733) bis hin zur barocken Umgestaltung Dresdens, das so zu einer „der schönsten Städte Europas“ wurde.

Breiten Raum nimmt die detailreiche Beschreibung des Großen Nordischen Kriegs (1700–1721) ein; Blanning ist ausgewiesener Militärhistoriker. Hier kommen all diejenigen Leser auf ihre Kosten, die sich über das Ringen Schwedens und Russlands um die Vorherrschaft im Ostseeraum gut informiert wissen wollen. Augusts mangelndes Kriegsglück ordnet Blanning in die übergreifenden politischen Konstellationen ein: Sachsen, als kleinerer Bündnispartner, wurde im Krieg zum Teil Spielball der Großmächte und war deshalb letztlich „zur Bedeutungslosigkeit verurteilt“.

Aufschlussreich ist auch die Analyse des Autors zur schwierigen Gemengelage im riesigen Polen-Litauen, dem zweitgrößten Land Europas nach Russland. Augusts Pläne zur Etablierung einer stärkeren Zentralmacht trafen hier auf die entschiedene Abwehr des selbstbewussten lokalen Adels.

Erst auf den letzten 80 Seiten – und damit erstaunlich spät und verhältnismäßig kurz – kommt Blanning dann auf seine Hauptthese, die Künstlerschaft Augusts, zurück, eine These, die in der Kunstwissenschaft übrigens schon länger zu finden ist. August beschäftigte hervorragende Meister ihres Fachs wie Balthasar Permoser oder Johann Melchior Dinglinger und hinterließ hochkarätige Sammlungen von Porzellan, Gemälden oder Kunstgegenständen (das „Grüne Gewölbe“). Doch nicht nur das: August fertigte selbst Architekturentwürfe an und beteiligte sich in hohem Maß an der Umsetzung der Repräsentationsbauten.

Am Ende kommt Blanning zu einem abgewogenen Urteil über den Herrscher. Weniger differenziert werden die Frauen in Augusts Leben beleuchtet, sei es der „Stall von Mätressen“, wie Blanning salopp schreibt, sei es die Ehefrau Christiane Eberhardine. Mehr als dass sie hässlich und ungeliebt gewesen sei, weiß Blanning kaum zu berichten. Neuere Forschungen zeigen aber, dass die Kurfürstin in ihrem Schloss Pretzsch eigene architektonische Akzente setzte und dort ein beachtliches Kulturleben zu entfalten wusste.

Tim Blanning, August der Starke. Sachsens Sonnenkönig. Eine Biographie. Verlag C. H. Beck, München 2026, 448 Seiten, € 34,–.

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