„Eine neu geordnete Welt“, dar-auf hatte der Wiener Arbeiter Josef Anton Baldermann bis zuletzt gehofft. Der Sozialdemokrat hatte für eine kleine kommunistische Betriebszelle Flugblätter gegen die Nationalsozialisten und Geld für die Angehörigen von Inhaftierten weitergeleitet, war Mitte 1941 deswegen von der Gestapo verhaftet und in Wien inhaftiert worden. Anfang 1942 schaffte man ihn ins Konzentrationslager Groß-Rosen, später nach Berlin-Moabit. Am 2. März 1943 wurde Baldermann mit sechs weiteren Wiener Arbeitern wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Plötzensee hingerichtet. Die Journalistin Marianne Enigl hat Leben und Sterben Baldermanns auf der Grundlage von dessen Tagebuch, vor allem aber seinen Briefen aus der Haft rekonstruiert. Es entsteht das Bild eines einfachen Mannes aus ärmlichsten Verhältnissen, aufgewachsen in der sozialdemokratischen Tradition Wiens, eines begeisterten Sportlers und Mitglieds der politisch engagierten „Naturfreunde“. Sehr anrührend lesen sich die Briefe Baldermanns aus der Haft. Nicht nur ihm, sondern auch seinen sechs Schicksalsgenossen, deren Gnadengesuche sie wiedergibt, hat Enigl mit ihrem Buch ein Denkmal gesetzt.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





