Eigentlich sollte es nur eine Routinekontrolle vor dem Ausbau einer Bäckerei in Burgbernheim im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim sein: Wie häufig bei Neubauprojekten, untersuchten Archäologen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) vor Baubeginn den Untergrund nach möglichen archäologischen Relikten. Den Anstoß dafür gaben Funde, die in den letzten Jahren in diesem Gewerbegebiet und in einem nahegelegenen Gipstagebau gemacht worden waren. Dort hatte man bei Ausgrabungen bereits einige Gargruben aus der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit entdeckt.
Mahlstein und Gargruben
Jetzt haben die Archäologen des Landesamts auf dem für die Bäckerei-Erweiterung gedachten Gelände weitere Funde gemacht. Sie belegen, dass dort auch schon vor 2800 Jahren Getreide verarbeitet wurde. Indiz dafür ist ein Mahlstein für Getreide. Der rund 26 mal 34 Zentimeter große Stein ist auf seiner Oberfläche abgeflacht und leicht konkav, wie für die Unterlegsteine solcher Mahlstätten typisch. Die Seitenflächen sind unregelmäßig und grob behauen, die Unterseite besteht aus einer abgeflachten Standfläche, wie die Archäologen berichten. Zum Mahlen wurde das Getreide auf den Unterlegstein gegeben und dann mithilfe eines kleineren, über das Getreide gerollten oder geriebenen Steins zerkleinert.

Die in der Umgebung dieses Fundplatzes entdeckte außergewöhnlich hohe Anzahl von Gargruben liefert Hinweise darauf, wie das gemahlene Getreide damals weiterverarbeitet wurde. Wie das Team berichtet, sind diese Gruben mit Steinen gefüllt, die deutliche Merkmale von Hitzeeinwirkung zeigen. Auch Reste von Holzkohle zeugen davon, dass in diesen Erdlöchern einst Feuer brannten. Archäologen gehen davon aus, dass solche Gargruben in der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit vor allem für die Zubereitung von Nahrung genutzt wurden: Die Steine wurden durch ein Feuer erhitzt, dann legte man die rohen Speisen in diesen Erdofen und ließ sie von der Hitze garen.
Getreidekost aus Hirse, Dinkel und Hafer
Um herauszufinden, was in den Gargruben von Burgbernheim zubereitet wurde, führten die Archäologen archäobotanische Untersuchungen der zwischen und auf den Steinen erhaltenen Rückstände durch. Anhand von erhaltenen Pflanzenfasern, Stärkekörnchen und anderen, meist verkohlten Resten lässt sich ermitteln, welche Speisen einst dort gegart wurden. Die Analysen ergaben: 83 Prozent der Pflanzenreste in den Burgbernheimer Gargruben stammen von Getreide, darunter Hirse, Einkorn, Dinkel und Hafer. Das bestätigt, dass das auf dem Mahlstein gemahlene Getreide wahrscheinlich in diesen Gruben gebacken oder gegart wurde – ob als Brot oder warmer Brei bleibt offen. Auch Samen-Reste einer Physalis wurden entdeckt.





