Mit der Kolonisierungspolitik der europäischen Weltmächte verdichteten sich die Beziehungen zu anderen Kulturen und Sprachen. Den dabei entstandenen Verständigungsproblemen wurde mittels einer konstruierten Sprache versucht entgegenzutreten. So sollte eine reibungslose Kommunikation ohne Muttersprachkenntnisse ermöglicht werden. Erste Ansätze, die Sprachvielfalt in einem linguistischen Konstrukt zu vereinen, wurden erstmals im 17. Jahrhundert unternommen, aber auch in der jüngeren Vergangenheit wurden sogenannte Plansprachen entwickelt, mit dem Ziel, die internationale Kommunikation zu erleichtern. Allerdings konnte sich dieses Konzept nie wirklich durchsetzen und blieb allein im engeren Kreis der Kunstsprachenfreunde bestehen. Dieses spannende Thema wird in der Ausstellung der Bayerische Staatsbibliothek „Zwischen Utopie und Wirklichkeit: Konstruierte Sprachen für die globalisierte Welt“ noch bis zum 9. September ausführlich beleuchtet.
Das facettenreiche Austellungsprogramm bietet neben der Historie und dem grammatischen Aufbau der bekanntesten Plansprachen, Volapük und Esperanto, Anschauungsmaterialien in Form von Wörterbüchern, Zeitschriften und Filmen. Den Klang einer konstruierten Sprache kann man ebenfalls an einigen Hörbeispielen kennenlernen. Ein Einblick in das Vereins- und Kongresswesen der Volapük- und Esperanto-Anhänger wird auch geboten. Zudem wird das am Anfang des 20. Jahrhunderts gestartete Projekt „Esperanto-Parkstadt“ in Gräfelfing bei München vorgestellt. Diese vom Verein der Esperantisten konzipierte Siedlung sollte allen Liebhabern der Plansprache einen Lebensmittelpunkt bieten. Wer nicht persönlich nach München kommen kann, hat die Möglichkeit einen virtuellen Ausstellungsrundgang auf der Homepage der Staatsbibliothek zu machen.





