Stefan Weinfurter, Karl der Große. Der heilige Barbar. Piper Verlag, München 2013, 352 Seiten, € 22,99. Mehr zum Thema Johannes Fried, Karl der Große. Gewalt und Glaube. Eine Biographie. Verlag C. H. Beck, München 2013, 736 Seiten, € 29,95. Steffen Patzold, Ich und Karl der Große. Das Leben des Höflings Einhard. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2013, 407 Seiten, € 26,95. Dietmar Pieper/Johannes Saltzwedel (Hrsg.), Karl der Große. Der mächtigste Kaiser des Mittelalters. Deutsche VerlagsAnstalt, München/Spiegel Buchverlag, Hamburg 2013, 288 Seiten, € 19,99. Karin Schneider-Ferber, Karl der Große. Der mächtigste Herrscher des Mittelalters. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2013, 192 Seiten, € 29,95.
Traditionen in der Welt“, mit dem Streben Karls des Großen nach „Eindeutigkeit“ in allen Lebensbereichen. Dabei kann er sich auf Einhard berufen, den Zeitgenossen und Biographen Karls: Dieser habe jede Unbestimmtheit beseitigen wollen. Die theoretische Vorlage dazu, so Weinfurter weiter, habe der Frankenherrscher Augustins „De civitate Dei“ entnommen, einem Werk, das er bekanntermaßen besonders schätzte. In Analogie dazu habe Karl ein „christlicher Gottesstaat“ vorgeschwebt. Damit setzt sich Weinfurter von Tendenzen in der Forschung ab, mittelalterlichen Herrschern allgemein lediglich das Anliegen zuzuschreiben, mit Hilfe von Ritualen ihre Stellung in der Welt darzustellen, während sie ansonsten nicht in der Lage gewesen seien, eine gezielte Politik zu betreiben. Laut Weinfurter wollte gerade Karl der Große mehr: Er reformierte sein Reich im Innern, um sowohl in der Liturgie der Kirche als auch im Verhältnis von Herrscher und Untertanen Klarheit zu schaffen. Auch des Mönchtums, der Bildung, des Gerichtswesens, der Maße und Gewichte und sogar der Monatsnamen habe sich der Herrscher in seinem Vereinheitlichungsdrang angenommen. Selbst seine Kriege gegen Langobarden, Sarazenen, Sachsen, Bayern und Awaren interpretiert der Autor unter diesem Blickwinkel. Die langwierige Eroberung Sachsens, um das prominenteste Beispiel zu nennen, habe sich nicht etwa als Folge einer Eskalation der Gewalt zwischen beiden Konfliktparteien von einem lokalen Grenzkonflikt zu einem Eroberungs- und Missionskrieg entwickelt, sondern sei von Karl von Anfang an als solcher geplant gewesen. Was die langfristigen Wirkungen von Karls Politik angeht, so schätzt Weinfurter diese positiver ein als viele seiner Kollegen: Das Ideal der Vereinheitlichung sei zwar ein unrealistisches Ziel gewesen, dennoch seien die Anstrengungen zu seiner Umsetzung letztlich nicht vergebens ge-
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und den Begriff auf die Vergangenheit bezie.dam hen? Noch Clausewitz verstand de als. als den inneren Kern des Kriegs einen Zweikampf, in dem die Gegner einander zu Boden ringen wollen, so dass schließlich der eine dem anderen seinen Willen aufzwingen kann. Dieser bis heute tradierten Bestimmung setzt Hüppauf die seine entgegen. Von Krieg könne man nur sprechen, wenn der physische Kampf von Bildern des Kämpfens geProf. Dr. Matthias Becher rahmt, von Strategien und Vorstellungen des Kampfes durchtränkt und durch MyWas ist Krieg? then und Rituale ergänzt wird. Kurz: Damit aus Mord und Eine kurze Frage – und eine Totschlag der Krieg entsteht, sehr lange Antwort. Auf rund 500 engbedruckten Textseiten sei der gesellschaftliche Diskurs nötig, oder noch anders macht uns Bernd Hüppauf – gesagt: Kriege finden in den Emeritus für Literatur und Köpfen der Menschen und Literaturtheorie der New York Mächte statt, sie werden geUniversity und vielfach ausdeutet, erfahren und erlebt gewiesener Kulturhistoriker und schließlich dem erinnernder Moderne – mit seiner den Gedächtnis überantworSicht der Dinge bekannt. Er tet. will nichts weniger als das Diese verschiedenen Ebenen Forschungsfeld der Militärgilt es in einer Kulturgeschichgeschichte neu ordnen und te des Krieges zu untersuchen, bestimmen, indem er sie als die den Krieg in die kulturellen eine Kulturgeschichte des Zusammenhänge der GesellKrieges definiert. schaften integriert. Zur UnterWie lässt sich eine Disziplin mauerung dieser Einschätzung begründen, mit der organibezieht Hüppauf archaische sierte Gewalt als eine KulturKriege mit ein, aber auch solgeschichte beschrieben und che des 17. und 19. Jahrhunverstanden werden kann? derts sowie den Ersten WeltSeine Antwort darauf beginnt krieg, den ersten umfassend wiederum mit einer Frage: modernen Krieg des IndustrieWas meinen wir, so Hüppauf, wenn wir von „Krieg“ sprechen zeitalters. Im vielleicht aufregendsten letzten Teil, dem „Ausblick“ auf gegenwärtige und kommende Kriege, werden schließlich auch der Krieg der Drohnen, der Cyberwar, Infowar, Lawfare (Zusammenziehung aus law und warfare, meint asymmetrische Kriege) behandelt. Das Buch ist keine leichte Kost – und eine schmalere, die Thesen pointiert zuspitzende Form hätte dem Anliegen des Bernd Hüppauf, Was ist Krieg? Autors mehr genützt. Aber die Zur Grundlegung einer KulturLektüre, auch in Abschnitten, geschichte des Kriegs. transcript lohnt auf jeden Fall: Welch ein Verlag, Bielefeld 2013, 568 Seiten, € 29,90. Reichtum an verarbeitetem Lese- und Quellenstoff, was Mehr zum Thema für eine Weite des Überblicks Ian Morris, Krieg. Wozu er gut über eine jahrtausendealte ist. Campus Verlag, Frankfurt Geschichte des Krieges! am Main/New York 2013, 527 wesen, gerade was die Bildung und das Mönchtum angehe. Vielmehr sei Karl der Große die „Leitfigur einer besonderen Epoche“ gewesen, deren Anliegen teilweise bis in heutige Zeit weiterwirkten, auch wenn Weinfurter einer schlichten Gleichsetzung des sich vereinigenden Europas mit dem karolingischen Imperium natürlich nicht das Wort redet. Sein Buch sei daher jedem empfohlen, der Karl dem Großen aus neuer Perspektive begegnen und sich über ihn prägnant und kompetent informieren will.





