Kloster Lorch blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Um 1100 siedelten der Stauferherzog Friedrich von Schwaben und seine Frau Agnes von Waiblingen ein Benediktinerkloster auf dem Berg oberhalb von Lorch an und bestimmten es zur Grablege der Familie. Mehrere Familienmitglieder sind in Lorch bestattet; eine der bekanntesten ist die byzantinische Kaisertochter und staufische Königsgattin Irene. Im 15. Jahrhundert begann eine wirtschaftliche Blütezeit in Lorch: Der Lorcher Abt konnte damals Kirche und Kreuzgang großzügig umbauen. Weiteres Zeichen des Erfolgs: das Erstarken der Klosterkultur. In jener Zeit entstanden die prachtvollen Lorcher Chorbücher. Abrupt endete die klösterliche Blütezeit von Lorch mit dem Bauernkrieg und der Reformation.
Heutzutage ist das reizvoll gelegene Kloster ein beliebtes Ausflugsziel, das Besuchergruppen auch weit über die Region hinaus anlockt. Das liegt sicher an der Schönheit der Anlage, aber wohl auch an der besonderen Geschichte. Diese Geschichte wird jetzt in einer neuen Dauerausstellung in der Klosterkirche anschaulich präsentiert. Breiten Raum nehmen dabei die fünf Chorbücher ein, die 1511/12 in der Schreibstube des Benediktinerklosters Lorch entstanden sind. Zur Freude heutiger Besucher haben sich drei dieser Chorbücher erhalten. In diesen können Besucherinnen und Besucher nun blättern – natürlich nicht im Original, denn die einzigartig reich ausgemalten Stücke befinden sich in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart. In Lorch kann man qualitätvolle Kopien der prachtvollen Buchseiten bewundern. In Originalgröße vermitteln sie ein eindringliches Bild von der farbigen Welt der Chorbücher und der Blütezeit des Klosters. Dazu gibt es Informatives über die Textschreiber und Illuministen der Chorbücher, über Liturgie und Gottesdienste im Kloster.
Weitere Themen der neuen Präsentation sind die Staufer und ihr Lorcher Hauskloster, Königin Irene in Lorch und die wichtigsten Stationen der Klostergeschichte.
Ergänzend zur Ausstellung ist ein neu erschienener Orientierungsplan erhältlich. Mit seiner Hilfe können die Besucher auf eigene Faust einen informativen Rundgang durch die Klosterkirche und die gesamte Klosteranlage machen. Farbenprächtige Station auf diesem Weg durchs Kloster: das Stauferrundbild von Hans Kloss im einstigen Kapitelsaal. Der Lorcher Maler gibt eine bunte Panorama-Ansicht der Staufergeschichte zwischen Remstal, Sizilien und dem Heiligen Land.
Die neue Dauerausstellung und der neue Orientierungsplan sind Teil der kontinuierlichen Arbeit der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden- Württemberg, von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Schwäbisch Gmünd und nicht zuletzt des Touristikbüros in Lorch: Seit dem 900-jährigen Klosterjubiläum im Jahr 2002 geht es ständig darum, die Angebote für die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zu verbessern. Dafür wurden in den letzten Jahren einige Schritte unternommen. Etwa der Kräuter- und Sinnesgarten: Er erinnert an die traditionsreichen Gärten der Mönche, in denen für Salben und Tinkturen Heilkräuter angebaut wurden. Erst in den letzten Monaten wurden die Wege und Grünflächen in der Klosteranlage erneuert; auf der dabei entstandenen neuen Terrasse kann man jetzt Kaffee trinken. Und für die kleineren Besucher gibt es inzwischen einen Kinderspielplatz.





