Was sich einst in einem jahrtausendealten Tongefäß befand, schließen Archäologen aus der Form des Behälters. Zumindest lässt sich so einigermaßen sicher festlegen, ob der Inhalt flüssig oder fest war und ob ein Gefäß zum Trinken, Gießen oder Schöpfen genutzt wurde. An den Keramiken haben sich oft auch Rückstände des einstigen Inhalts erhalten. Chemiker können die mikroskopischen Reste bestimmen und feststellen, ob Milch, Bier oder Wein in einem Gefäß lagerte. Nun ist es Forschern um die Mikrobiologen Ronen Hazan und Michael Klutstein von der Hebrew University in Jerusalem gelungen, von bis zu 5000 Jahre alten Tonscherben noch lebende Hefe-Zellen zu isolieren und daraus Bier zu brauen.
Das Forscherteam untersuchte Fragmente von fünf archäologischen Fundorten in Israel. Die Scherben gehörten einst zu Brau-, Lager- und Filtergefäßen für Bier, Wein oder Met. Die ältesten Stücke stammten von einer 5000 Jahre alten Siedlung, die jüngsten sind rund 2400 Jahre alt. In der Oberfläche von 21 Scherben entdeckten Hazan und Klutstein Hefe-Kolonien, die sie kultivieren und mithilfe von Genanalysen sechs verschiedenen Hefe-Stämmen zuweisen konnten. „Das größte Wunder war, dass die Mikroorganismen in dem Gefäß Tausende von Jahren überlebt haben“, sagt Ronen Hazan. Drei der Hefe-Stämme eignen sich zum Brauen von Bier, ein Stamm entspricht sogar der modernen Bierbrauerhefe Saccharomyces cerevisiae, wie eine genetische Analyse der alten Hefen ergab.
Um sicherzugehen, dass sie tatsächlich alte Hefe-Kulturen entnommen hatten, führten die Forscher mehrere Kontrolluntersuchungen durch. Sie überprüften weitere Scherben von denselben Fundorten, die nicht von Tongefäßen zum Brauen stammten, sondern Kochgefäße, Krüge oder Lampen waren. Zudem nahmen sie an den Fundorten Bodenproben, um auszuschließen, dass die entdeckten Hefe-Pilze natürlich im Erdreich vorkommen. Unter den insgesamt 110 Kontrollproben entdeckten sie Spuren von zwei Hefe-Stämmen. „Wir haben demnach 6 Hefe-Stämme aus 21 Scherbenproben, die vermutlich von Gefäßen für fermentierte Getränke stammen, im Vergleich zu 2 Hefe-Stämmen aus 110 Kontrollproben – das ist ein signifikantes Ergebnis und kann kaum zufällig entstanden sein“, resümieren die Forscher.

Als weitere Kontrolluntersuchung prüften Hazan und Klutstein, ob Hefe-Pilze überhaupt längere Zeit im Erdboden überleben können. Dazu analysierten die israelischen Biologen moderne Tonbehälter, die zur Lagerung von Wein genutzt werden. Die Gefäße hatten zwei Jahre lang im Freien gelegen. Außerdem vergruben die Forscher mit Bier gefüllte Tongefäße und holten sie nach drei Wochen wieder aus dem Boden. Das Ergebnis: Auf allen Gefäßen entdeckten die Wissenschaftler noch lebende Hefe-Kulturen.





