Überall und besonders in Deutschland fließt es in ungeheuren Mengen: Bier gehört zu den beliebtesten alkoholischen Getränken der Welt. Der Genuss der unterschiedlichen Formen des Gebräus auf Getreidebasis hat dabei eine jahrtausendealte Tradition. Im alten Ägypten wurde Bier beispielsweise schon vor rund 5000 Jahren in Massenproduktionsanlagen hergestellt. Auch in Deutschland besitzt das Brauereiwesen bekanntlich tiefe Wurzeln. Geradezu zum nationalen Kulturgut ist dabei das sogenannte Reinheitsgebot geworden. Als Grundlage dieser Regel für die erlaubten Zutaten von deutschem Bier gilt eine Vorschrift aus dem Jahre 1516 in Bayern.
Eine „Reliquie“ aus der deutschen Kaiserzeit
Über das aktuelle biergeschichtliche Ereignis berichtet nun ein Wissenschaftlerteam der Technischen Universität München (TUM). Bei dem untersuchten Flaschenbier handelt es sich um einen Fund in einem norddeutschen Gewerbegebäude. Aus der Rekonstruktion des Etiketts und den Merkmalen ging hervor, dass es von der noch heute existierenden Brauerei Barre in Lübbecke im Jahr 1885 hergestellt worden war. Recherchen ergaben, dass damals jährlich etwa 300.000 solcher Flaschen unter anderem nach New York exportiert wurden. Doch die Flasche mit der Bezeichnung B1885 war aus ungeklärten Gründen zurückgeblieben und avancierte dadurch zu einem brauereigeschichtlichen Schatz: Die grüne 750 Milliliter-Flasche war noch voll, mit Korken, Draht und Wachs versiegelt und hatte die rund140 Jahre bei Raumtemperatur gelagert.
Nun entschlossen sich die Forscher, das historische Stück zu öffnen. Zunächst wagte dann ein vierköpfiges Expertenteam eine „sensorische“ Begutachtung: Sie schnupperten an dem Inhalt und gönnten sich schließlich auch ein Schlückchen. Wie sie berichten, hatte sich das Getränk nicht etwa in eine „mumifizierte“ Scheußlichkeit verwandelt: „Es roch und schmeckte noch immer ganz hervorragend und war sehr harmonisch im Gesamteindruck und in der Bitterkeit. Ein sehr schlankes, elegantes Bier“, resümiert Martin Zarnkow von der TUM.
Ein untergäriges, gefiltertes Lagerbier
Den Experten zufolge sprudelte das Bier auch noch immer leicht und wies Aromen von Sherry, Port und Pflaumen auf. Trotz des erstaunlich guten Erhaltungszustands gab es aber auch Hinweise auf Folgen des Alters: Die Farbe dürfte ursprünglich heller gewesen sein und chemische Veränderungen der Hopfenbestandteile könnten im Verlauf der fast 140 Jahre zu Veränderungen der bitteren Note geführt haben, schreiben die Wissenschaftler.
Nach der Verkostung unterzogen sie den Flascheninhalt auch einer archöächemischen Analyse, um die Zusammensetzung zu erfassen, sowie Hinweise auf die Herstellungsweise zu gewinnen. Das erhaltene Profil des historischen Bieres verglich das Team dann mit zahlreichen modernen Sorten. Dabei zeigte sich, dass die Merkmale von B1885 bereits heutigen hellen Lagerbieren entsprachen. Zudem wurde deutlich, dass das nach dem Reinheitsgebot gebraute Bier bereits gefiltert worden war. Dies geschah damals wenige Jahre nach der Erfindung des ersten Filtrationsapparates, heben die Forscher hervor.





