Die erschütternden Bilder vom Irak-Krieg, zuvor vom Golf- oder Kosovo-Krieg werfen immer wieder Fragen nach ihrer Funktion und Wirkungsweise auf, darüber hinaus stellt sich das Problem, ob und wie sich Kriegsgeschehen überhaupt bildlich darstellen läßt. Die Visualisierung des Krieges vom Beginn der „Moderne“ (das heißt hier 17. und 18. Jahrhundert) bis zum New Yorker Terroranschlag vom 11. September 2001 verfolgt Gerhard Paul, Geschichtsdidaktiker an der Universität Flensburg, in seinem voluminösen Buch „Bilder des Krieges – Krieg der Bilder“. Er geht dabei von der Grundannahme aus, daß sich der in seinem Wesen chaotische moderne Krieg letztlich einer bildlichen Repräsentation entziehen müsse. Die modernen Bildmedien (Foto, Film, Fernsehen) aber versuchten, dem „katastrophisch antizivilisatorischen Ereignis“ eines Krieges eine Ordnung zu geben, die er eigentlich nicht besitze, ihn zu humanisieren, und trügen so immer wieder zur Schaffung der Fiktion eines beherrschbaren Krieges bei. Pauls Studie vereint in jedem Kapitel die Untersuchung der Bilder des Krieges in ihrer Ikonographie, Ästhetik und Symbolik mit dem „Krieg der Bilder“, das heißt, mit der propagandistischen Nutzung der Darstellungen. Ein visual essay am Ende eines jeden Kapitels bringt eine zumeist sachkundig kommentierte Bildauswahl. So erschließt Paul nicht nur eine Fülle von Bildmaterial, sondern vermag immer wieder die Kontextabhängigkeit von Bildbedeutungen und -wirkungen zu zeigen. Der Schwerpunkt – und auch die Stärke des Buchs – liegt dabei deutlich auf dem 20. Jahrhundert. Die Bildwelten und -wahrnehmungen früherer Zeiten dagegen werden des öfteren mit ärgerlichen Pauschalurteilen belegt. So beginnt nicht erst mit der Lithographie des 19. Jahrhunderts eine „massenhafte Verbreitung des Bildes“, und auch schon vorher war durchaus eine „visuelle Welterfahrung außerhalb des eigenen Lebenshorizontes“ möglich.
Rezension: Talkenberger, Heike





