von ANDREAS ECKERT
Eigentlich war alles ganz anders geplant. Die Unabhängigkeitsfeiern in Belgisch-Kongo in der Hauptstadt Léopoldville, dem heutigen Kinshasa, sollten am 30. Juli 1960 feierlich das vermeintliche Zivilisationswerk der Belgier in Afrika und den überstürzten Abzug aus dem Riesenland im Herzen des Kontinents als Ausdruck politischer Weitsicht darstellen. Doch dann zeigte sich, wie gegensätzlich Kolonisierende und Kolonisierte die Welt sahen. Noch einmal offenbarte sich die Kluft zwischen Herr und Knecht in aller Schärfe. Was war geschehen? Der junge belgische König Baudouin (1951 –1993) pries in seiner Rede in paternalistischem Ton die koloniale Herrschaft. Er sprach von der Uneigennützigkeit des belgischen Wirkens in Afrika, von Aufbau und Fortschritt. Staatspräsident Joseph Kasavubu spielte in seiner anschließenden Rede nicht mehr als das freundliche Echo.





