Moralischer Rigorismus, Aufrichtigkeit und Kritikfähigkeit – auch gegenüber Mitgliedern des eigenen Lagers – all dies zeichnete ihre engagierten Texte oft aus, und all dies findet sich auch in ihren 13 „Berliner Briefen“. Gerichtet an einen fiktiven, im Exil in Paris lebenden jüdischen Freund, schreibt sie 1948 diese Selbstvergewisserung. Kerckhoff fragt nach dem Verhalten der Deutschen während des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit, sie beobachtet zweifelnd den Fortgang der Demokratisierung Deutschlands durch die Alliierten, und sie befragt auch schonungslos sich selbst. Mit Beklemmung sieht sie schon bald wieder die alten Nazis triumphieren, vermisst schmerzlich eine Einsicht, ein Schuldgefühl. Und sie befürchtet einen nächsten Krieg.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Susanne Kerckhoff
Berliner Briefe
Ein Briefroman
Verlag Das Kulturelle Gedächtnis, Berlin 2020, 110 Seiten, € 20,–





