Die Expedition stand unter der Leitung des dänischen Kapitäns Vitus Bering. Viele der Männer, die sich der Reise ins Unbekannte anschlossen, fielen Hunger und Kälte zum Opfer. Bering verfasste nach seiner Rückkehr einen Bericht, der in Westeuropa, wo man sich brennend für die auf der Expedition gewonnenen Erkenntnisse interessierte, bald in verschiedenen gedruckten Fassungen erschien.
Die Textvorlage aus Berings Feder zu diesen Druckwerken galt lange als verloren. Vor kurzem wurde jedoch eine bislang unbekannte zeitgenössische deutschsprachige Abschrift der ursprünglichen Version des Berichts im Niedersächsischen Landesarchiv in Hannover entdeckt. Es handelt sich dabei um die umfangreichste aller Fassungen des Bering-Berichts. Der Historiker Gerd van den Heuvel stellt sie in einer Edition nun erstmals vor und spürt auch der rätselhaften Überlieferungsgeschichte des Manuskripts nach.
Der edierte Bericht gibt ausführliche Einblicke in den Expeditionsverlauf. Man erfährt zudem viel über die ungeheuren Strapazen der Reise, wie etwa die Schwierigkeit, Proviant zu finden. In der Not half Kreativität: das Team um Bering stellte Branntwein aus Gräsern und Kräutern her und bediente sich „des gekochten Fisch-Fettes“ als Butter-Alternative. Die Forscher hegten auch Interesse an der Lebensweise der Völker, denen sie begegneten. Über die Kleidungs- und Ernährungsgewohnheiten der Einwohner Kamtschatkas notierte Bering: „Ihre Kleider werden aus Hunde fellen gemacht, ihre Nahrung bestehet von Fischen, Wurtzeln, und Birnen, den Sommer über auch von Vögeln, und allerley Seethieren.“





