Astrolabien waren nicht nur hilfreiche Werkzeuge früher Himmelsgelehrter, auch in der Seefahrt spielten sie eine wichtige Rolle. Denn mit diesen Peilhilfen konnten Seefahrer ihre Position abschätzen und so auf weiten Seereisen navigieren. Mithilfe von feinen Markierungsstrichen am Rand eines drehbaren Rings oder eine Scheibe bestimmten sie die Höhe der Mittagssonne über dem Horizont und konnten so auf die geografische Breite ihrer Position schließen.
Peilhilfe für die großen Entdecker des 15. Jahrhunderts
“Nautische Astrolabien sind eng mit den frühesten Entdeckungsfahrten der großen Seemächte Europas verknüpft”, erklären David Mearns von Blue Water Recoveries und seine Kollegen von der University of Warwick. Denn etwa ab 1481 wurden diese Peilhilfen von Seefahrern eingesetzt – und auch die großen Entdecker des 15. Jahrhunderts wie Vasco da Gama, Christoph Kolumbus oder Bartolomeu Dias nutzten diese Navigationshilfen. Doch erhalten geblieben sind von den Seefahrer-Astrolabien nur sehr wenige. Bis heute sind nur 105 solcher Astrolabien gefunden worden.
“Man nimmt an, dass die ersten nautischen Astrolabien aus Messing in Plattenform bestanden und sich direkt aus der Rückseite der planisphärischen Astrolabien entwickelten”, erklären Mearns und seine Kollegen. Ab etwa 1517 setzte sich dann eine Neuerung durch, bei der die Platte dicker und stabiler wurde, dafür aber durchbrochen. “Das verringerte ihren Windwiderstand und machte sie zu stabileren und genaueren Instrumenten für die Peilung auf einem sich bewegenden Schiff”, so die Forscher. Rund 88 Prozent der heute geborgenen Seefahrer-Astrolabien gehören zu diesem späten Typ.
Fund im Wrack der “Esmeralda”
Doch jetzt haben Archäologen einen für die Seefahrtsgeschichte einzigartigen Schatz gefunden: Ein Astrolabium aus der Zeit Vasco da Gamas. Entdeckt wurde die Bronzescheibe schon vor einigen Jahren in einem Schiffswrack vor der Küste des Oman. Analysen der mehr als 2800 vom Meeresgrund geborgenen Funde, darunter auch Silbermünzen, ergaben, dass es sich um das Wrack der Esmeralda handelt – eines der Schiffe, die den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama auf seiner zweiten Reise nach Indien begleiteten. Das Schiff sank im Jahr 1503 bei einem Sturm.
Unter den Artefakten aus der Esmeralda stießen die Archäologen auf eine knapp 18 Zentimeter große, dünne Bronzescheibe. “Die gut erhaltene Seite der Scheibe war mit einem Wappen und einer Armillarsphäre verziert”, berichten Mearns und seine Kollegen. Das Wappen entsprach dem königlichen Wappen Portugals, die Armillarsphäre war das persönliche Emblem des portugiesischen Königs Manuel I., der ab 1495 regierte. Die Rückseite der Bronzescheibe war jedoch stark korrodiert und verkrustet.





