Eines der lesenswertesten Büchern zur Revolution 1918/19 stammt vom irischen Historiker Mark Jones und glänzt mit packenden Schilderungen, zumeist einleuchtenden Deutungen und einer bedenkenswerten Kern-
Mark Jones, Am Anfang war Gewalt. Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik. Propyläen Verlag, Berlin 2017, 432 Seiten, € 26,–.
these. Diese lautet, dass die mörderische Entfesselung, wie sie sich in der Zeit des Nationalsozialismus entlud, ihren Ursprung bereits in den gewaltsamen Vorgängen rund um die Gründung der Weimarer Republik fand. Und diese hatte keinen positiven Gründungsmythos zu bieten. Jones möchte erklären, wie es zur Eskalation einer zuvor beispiellosen Gewalt kam und warum ihr nicht Einhalt geboten wurde, auch nicht von der in der Regierungsverantwortung stehenden MSPD. Detailliert geht der Autor auf den Matrosenaufstand in Kiel, das Ende der Monarchie, die blutigen revolutionären Ereignisse in Berlin, die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sowie die Münchner Räterepublik ein. Deutlich wird, welch fatale Rolle vage Gerüchte und Angstphantasien vor linken Greueltaten gespielt haben, die letztlich die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Gewaltorgien der Freikorps-Verbände und der Regierungstruppen schufen. Ein Buch, das nachdenklich macht, gerade in unseren Tagen, in denen „Fake News“ Deutungsmacht erlangen können. ht
Bilder von Gewalt und deren Folgen finden sich auch in dem Band des Fotohistorikers Anton Holzer. Straßenkämpfe in Berlin, die als Spuren nicht nur zerschossene Fensterscheiben hinterlassen, Aufständische, hinter Barrikaden verschanzt, Regierungstruppen mit dem Schild „Wer weitergeht wird erschossen“ und Freikorps-Verbände, die mit einem auf einen LKW montierten Maschinengewehr posieren, der Trauermarsch anlässlich der Beisetzung von Karl Liebknecht und schließlich die Gefangennahme von Revolutionären in München. Weitere eindrückliche Aufnahmen beziehen sich auf die Abdankung des Kaisers, die Ausrufung der Republik, die erste Wahl, aber auch die Versehrten des Krieges. Die Fotografien, die
Anton Holzer (Hrsg.), Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch 1918/19. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2017, 192 Seiten, € 39,95. Mehr zum Thema Rosa Luxemburg, Mensch sein ist vor allem die Hauptsache. Gedanken einer Revolutionärin. Marix Verlag, Wiesbaden 2018, 190 Seiten, € 6,–.
zum großen Teil aus dem Bundesarchiv stammen, werden ergänzt durch zeitgenössische Tagebuchaufzeichnungen von Käthe Kollwitz über Harry Graf Kessler bis Sebastian Haffner. Sie erkennen hellsichtig, dass die blutige Niederschlagung der Revolution neue Probleme gebären wird. ht
Wir sind in München: Mit Oskar Maria Graf, dem revolutionsbegeisterten Dichter, oder Josef Hofmiller, dem deutsch-national orientierten Gymnasiallehrer, soll der Leser zum „Passanten und Beobachter“ der Räterepublik werden. Das ist das Ziel, das der Journalist Michael Appel mit seinem Buch verfolgt. Es profitiert sehr von der Ausdruckskraft seiner Zeugen. Ausführliche Zitate





