AKTUELL als Konsequenz aus dem Überfall der Sowjetunion auf Finnland (Winterkrieg 1939 –1940) verstanden. Das demokratische Finnland galt zwar als Waffenbruder Deutschlands gegen den stalinistischen Sowjetkommunismus, aber nicht als Vasall der Hitler’schen NS-Diktatur. Oula Silvennoinens Doktorarbeit über die „geheime Waffenbrüderschaft“ zwischen der finnischen Staatspolizei (Valpo) und dem deutschen SD (Sicherheitsdienst des Reichsführers SS) bzw. der Gestapo war bei Erscheinen der finnischen Originalausgabe im Jahr 2008 eine Sensation – freilich außerhalb Finnlands kaum wahrgenommen. Die deutsche Übersetzung des Werks ist daher besonders zu begrüßen. Silvennoinen ist es durch akribische Detektivarbeit in finnischen, estnischen, lettischen und deutschen Archiven gelungen, die bisher unbekannte in Finnland stationierte SS-Einsatzgruppe, das „Einsatzkommando Finnland“, zu belegen und deren Verbrechen zu dokumentieren. Hierzu gehören Erschießungen von sowjetischen Kriegsgefangenen in den deutschen Kriegsgefangenenlagern StaLag (Stammlager) 309 (Salla) und StaLag 322 (Elvenes). Im nordfinnischen Salla wurden Kranke,
Oula Silvennoinen, Geheime Waffenbrüderschaft. Die sicherheitspolizeiliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Finnland 1933 –1944. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, 400 Seiten, € 49,90. Weitere Literatur Jörg Echternkamp, Die 101 wichtigsten Fragen. Der Zweite Weltkrieg. Verlag C. H. Beck, München 2010, 155 Seiten, € 9,95. Mark Mazower, Hitlers Imperium. Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Verlag C. H. Beck, München 2009, 661 Seiten, € 34,–.
Arbeitsverweigerer, Politkommissare und Juden systematisch „selektiert“ und lediglich mit braunen Papiersäcken bekleidet von Angehörigen der Feldpolizei ermordet. Die Massenerschießungen wurden von der SS überwacht. Einige – wenn auch wenige – Angehörige der finnischen Staatspolizei waren mit Sicherheit an den Verhören und wahrscheinlich auch an Erschießungen beteiligt. Das Buch liest sich aufgrund des teilweise mikroperspektivischen Ansatzes spannend wie ein Roman. Dabei ist der Ton jedoch auf angenehme Weise nüchtern und zurückhaltend. Nicht nur für Finnland-Kenner ist dieses Buch ein Gewinn. Es zeigt am finnischen Beispiel, wie Kollaboration im Zuge des Völkermords selbst in einem Rechtsstaat geschehen konnte. Dr. Agilolf Keßelring
Totengedenken in Rom Rom, die „Ewige Stadt“, ist zugleich eine Stadt der Toten. In ihrer bald 3 000-jährigen Geschichte ist sie zum Beisetzungsort von Millionen Menschen geworden, und nach Millionen dürften auch die Grabmäler unterschiedlichster Formate zählen, die am Tiber errichtet wurden. Allerdings, nur ein Bruchteil von ihnen hat die Zeiten überdauert. Der Band von Paolo Liverani, Giandomenico Spinola und Pietro Zander stellt einen kleinen Ausschnitt der in Vielfalt und Formensprache eindrucksvollen römischen Memorialkultur in Hoch- und Spätantike vor. Umfangreiche Ausgrabungen im Vatikan in den letzten Jahren haben diese Zeugnisse zutage gefördert. Es ist eine faszinierende Welt, die sich dem Leser in dem mit hervorragenden Abbildungen opulent ausgestatteten Band darbietet, faszinierend gerade in ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit. Denn die Befunde der Grabungen verdeutlichen, wie wenig präzise die Jenseitsvorstellungen der heidnischen Antike waren. Nimmt man die Vielzahl der in der Spätantike auftretenden





