In der Spätantike und in der byzantinischen Zeit, also etwa zwischen dem 4. und dem 11. Jahrhundert, war Kappadokien eine Grenzprovinz, die häufig Schauplatz kriegerischer Ereignisse war, mit den daraus resultierenden Folgen für die Zivilbevölkerung.
In der Christenheit war und ist es berühmt für seine Kirchenväter: Basileios den Großen, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa. Aber wirtschaftlich, politisch und auch militärisch spielte es die meiste Zeit nur eine untergeordnete Rolle. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts fiel die Region an die Türken und führte fortan eine eher vernachlässigte Existenz im Reich der Seldschuken und später der Osmanen.
Aber während dies für die Einwohner Kappadokiens zu vielen Problemen führte, hat es für den modernen Besucher den Vorteil, dass es hier noch vieles zu sehen gibt, das anderswo nicht überlebt hat. Viele Kirchen, die einst in den Tuffsteinhöhlen eingerichtet worden sind – wie etwa die im berühmten Göreme –, sind erstaunlich gut erhalten und ermöglichen damit einen konzentrierten Einblick in byzantinische Kirchenbaukunst, in ihr Bildprogramm und darüber hinaus in die allgemeine Kulturlandschaft einer byzantinischen Provinz.
Dieser Region widmet sich das Buch von Rainer Warland, der als Professor Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte an der Universität Freiburg lehrt. Warland beschränkt sich in seiner Darstellung nicht auf die zahlreichen Kirchen, sondern versucht, die gesamte Kulturlandschaft Kappadokiens in ihrer historischen Entwicklung zu zeigen. Er verschweigt dabei auch nicht die Schwierigkeiten, die mit einem solchen Unternehmen verbunden sind.
Der Autor beschränkt sich hierbei nicht auf die byzantinische Zeit, sondern bezieht auch die folgenden zwei bis drei Jahrhunderte in seine Darstellung ein. Ebenso versucht er mit gutem Erfolg, die Lebenswelt der kappadokischen Bevölkerung aufzuzeigen, auch wenn dies mangels konkreter Quellennachrichten oft nur annäherungsweise geschehen kann.
Insgesamt gesehen soll das Buch mit seinen hervorragenden Abbildungen sicher eine breite, interessierte Käuferschicht ansprechen, aber Warland gelingt es durchaus, eine solche „populäre“ Darstellung mit einem anspruchsvollen wissenschaftlichen Niveau zu verbinden – auch wenn in der gegebenen Kürze manche Probleme nur kurz angerissen werden können. Aber wer seine „touristischen“ Kenntnisse über Kappadokien vertiefen möchte, wird in diesem Buch einen anspruchsvollen und zugleich informativen Führer finden.
Rezension: Prof. Dr. Ralph-Johannes Lilie





