Im Gegensatz zu den meisten Darstellungen der byzantinischen Kultur und Geschichte beginnt Herrin nicht mit einem chronologischen Durchgang, sondern schildert verschiedene Aspekte, die sich mehr an herausragenden Ereignissen, Besonderheiten und auch an bekannten Bauwerken orientieren, mit denen Byzanz assoziiert wird. So erfährt der Leser etwas über die Mosaiken von Ravenna, Ikonen als neue Kunstform, Eunuchen oder die kosmopolitische byzantinische Gesellschaft.
Dabei folgt Herrin zwar jeweils einem groben chronologischen Raster, aber die Zusammenstellung scheint mir doch relativ stark von ihren eigenen Interessen geprägt zu sein und weniger von dem Wunsch, einen vollständigen Überblick zu gewährleisten. Auf diese Weise bietet das Buch zwar immer wieder überraschende Einblicke, die sich sonst in einführenden Werken dieser Art eher selten finden, dürfte für einen Leser ohne Vorkenntnisse aber doch manchmal etwas verwirrend sein.
Der Stil ist flüssig und die Übersetzung gut lesbar. Vielleicht wird die Bedeutung von Byzanz manchmal etwas überbetont – so erscheint es mir doch zweifelhaft, dass der Islam ohne den erfolgreichen byzantinischen Widerstand ganz Europa überrollt hätte – aber diese Akzentsetzung ist vielleicht unvermeidlich. Insgesamt gesehen bietet Herrins Buch eine willkommene Ergänzung zu den bekannten deutschsprachigen Einführungen in die Geschichte des Byzantinischen Reichs.
Rezension: Prof. Dr. Ralph-Johannes Lilie





