Nach der Biographie über den römischen Staatsmann Sulla von Karl Christ, die nicht in allen Teilen zu überzeugen vermochte (vgl. DAMALS 12/2002, S. 55), hat der Beck Verlag nun eine weitere Biographie eines berühmten Römers herausgebracht: Aloys Winterling porträtiert Kaiser Gaius Caesar Germanicus, genannt Caligula (37-41 n. Chr.), der traditionell als Musterbeispiel des “Caesarenwahnsinns” (Ludwig Quidde) gilt. Die antiken Quellen zeichnen systematisch das Bild eines Geistesgestörten, der mit Gold belegte Speisen gegessen, Inzest mit seinen Schwestern betrieben und sinnlose Folterungen und Hinrichtungen befohlen habe. Was bleibt von diesem Schreckensbild, wenn die Quellen kritisch gelesen werden? Es bleibt ein machtbewußter, oft skrupelloser, aber keineswegs wahnsinniger Kaiser und es bleibt ein ohnmächtiger und opportunistischer Senat. Überzeugend führt Winterling den Nachweis, daß das eigentliche Problem hinter der Zeichnung des kaiserlichen Charakters der dramatische Konflikt zwischen der de facto schon durch Augustus politisch entmachteten, aber auf ihren sozialen Status bedachten Senatsaristokratie und dem sich autokratisch gebärdenden Kaiser war. Ein spannendes Buch, bei dem der Kaiser nicht unbedingt sympathischer, seine Handlungen aber nachvollziehbarer werden und das zugleich einen guten Einblick in römische Politik- und Mentalitätsgeschichte bietet.
Rezension: Talkenberger, Heike





