Prächtig wird es dann im 19. Jahrhundert. Das wohlhabende Bürgertum demonstrierte mit üppigem Baumschmuck seinen Wohlstand: Kerzen, Bänder und Vorformen des Lametta, aus Zinnfolien gefertigt, machten den Weihnachtsbaum zum herrlich anzusehenden Prestigegegenstand – zum Ausdruck bürgerlicher, zum Teil aber auch adliger Repräsentation. Dazu kamen die Möglichkeiten, Christbaumschmuck wie Bilder und Figuren aus Papier oder Karton, aber auch Anhänger aus verschiedenen Metallen, industriell zu fertigen. Und diese im 19. Jahrhundert begründeten Traditionen folgen wir – im weitesten Sinne – heute noch.
Ließe sich noch über die Symbolkraft des Christbaumes sinnieren – und auch hier, befürchte ich, greift die Interpretationslust gerne zu weit: Sicher, die Lichter am Baum als Symbol für das göttliche Licht zu verstehen, das mit der Geburt Christi in die Welt kommen soll, ist weder abwegig noch unzulässig. Doch die Historiker haben allen Grund zu vermuten, dass wir die hohe symbolische Aufladung dieses schönen Brauchs erst der Volkskunde des späten 19. Jahrhunderts verdanken – ein nicht ungewöhnlicher Vorgang übrigens: Jüngeres Brauchtum wird häufig erst durch nachträgliche Mythenbildung so überaus bedeutsam.
Der Beliebtheit des Christbaums sollte dies keinen Abbruch tun: Die Aufgabe, an Weihnachten Freude zu verbreiten, übernimmt er heute so gut wie vor 200 Jahren.





