Wenige Jahre nach dem Werk von Hugh Thomas liegt nun ein weiteres Buch über die Eroberung des Mexica- oder Aztekenreiches in deutscher Übersetzung vor. Während Thomas die soziale und mentale Welt der Mexica wie auch der Spanier umfassend behandelte, konzentriert sich Bennassar in seinem Buch „Cortez der Konquistador“ auf die Biographie des Eroberers. Erste wichtige Lebensstationen des 1485 als Sohn eines niederen Adligen in der Estremadura geborenen Cortez waren die Universität Salamanca, wo er sich juristische und rhetorische Kenntnisse aneignete, und die Inseln Santo Domingo und Kuba, wo er als Notar und Viehzüchter tätig war und einen Ruf als Frauenheld, aber keine militärischen Erfahrungen erwarb. Relativ knapp behandelt Bennassar Cortez’ Expedition nach Tenochtitlán und die Eroberung und Zerstörung des Mexica-Reiches 1519 bis 1521. Bis 1524 schuf Cortez die Grundlagen der Kolonialverwaltung in Mexiko, gab jedoch mit einem militärisch sinnlosen Feldzug nach Honduras seine Machtposition unnötig preis. 1528 erlangte er von Kaiser Karl V. einen Adelstitel und bedeutende grundherrliche Rechte, nicht aber die ersehnte Macht in Mexiko. Von 1531 bis 1539 verwaltete der Eroberer seinen Grundbesitz in der Region Cuernavaca und organisierte weitere Expeditionen nach Niederkalifornien. 1547 starb Cortez – verbittert, weil er von Karl V. nicht die erhoffte Anerkennung erhalten hatte. Abschließend zeichnet Bennassar ein Charakterporträt, in dem er Cortez beträchtliche Führungsqualitäten, Verhandlungsgeschick und unternehmerisches Talent bescheinigt. Aber er benennt auch die Schwächen des Konquistadors: Bestechung, zügellose Sexualität, Sklavenhandel und Ausbeutung indianischer Arbeitskräfte im Widerspruch zur selbstproklamierten Indianerschutzpolitik. So entsteht das Bild einer komplexen Persönlichkeit, in dem sich Anerkennung und Kritik die Waage halten. Die Übersetzung ist leider mit zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern gespickt.
Rezension: Häberlein, Mark





