Außergewöhnlich ist das Buch jedoch nicht wegen seines Textes. Denn tatsächlich findet man das Werk in weiteren Bibliotheken. Das in kostbaren karmesinroten Samt eingeschlagene Kopenhagener Exemplar ist allerdings das einzige, das durch 250 von Hand gemalte Illustrationen ergänzt wird. Diese Miniaturgemälde erläutern die Merksätze zur Königsgeschichte visuell. Der Lübecker Historiker Michael Hundt hat das Werk nun als Faksimile-Ausgabe veröffentlicht und mit einer ausführlichen Einleitung sowie zahlreichen Erläuterungen versehen.
Spannend ist vor allem die Geschichte, wie das wertvolle Buch entstand und warum es überhaupt nach Dänemark gelangte. Am 9. September des Jahres 1724 empfing der dänische König Friedrich IV. den erst dreieinhalbjährigen Christian Henrich Heineken am Hof in Kopenhagen. Der Lübecker Junge galt damals aufgrund seiner geistigen Leistungen als Wunderkind, und der Herrscher, der sich für Unterhaltung aller Art begeisterte, wollte sich selbst ein Bild von dessen herausragenden Fähigkeiten machen. Als Gastgeschenk überreichte der kleine Besucher dem Dänen das prächtig ausgestattete Exemplar.
Die darin enthaltenen Illustrationen stammen von Catharina Elisabeth Heineken, der Mutter des Jungen, die als Malerin in Lübeck tätig war. Gemeinsam mit dem Lehrer ihres Sohnes verfolgte sie das Ziel, dessen Ruf als Wunderkind weiter zu festigen. Von der Audienz beim dänischen König erhofften sie sich finanzielle Zuwendungen und zugleich eine noch größere öffentliche Aufmerksamkeit für den außergewöhnlich begabten Knaben.
Dr. Anna Joisten
Literatur
Michael Hundt (Hrsg.), Vorschmak. Geschichte der dänischen Könige. Oppenheim am Rhein 2025.





