Was das Buch auszeichnet, sind die unzähligen Zeitzeugenberichte, die im Rahmen eines TV-Filmprojekts – das Buch ist Begleitbuch einer ARD-Serie – angefertigt wurden. Davon lebt die Darstellung, dies macht sie lebendig, ja, hier wurden, das ist verdienstvoll, mit Hilfe der Oral- History-Methode alltagsgeschichtliche Quellen erstellt. Allerdings verweigern sich die Autoren methodischen Reflexionen, und man muss sagen, dass eine moderne Alltags‧geschichte schon einmal weiter war – als sie nämlich die Politik nicht vernachlässigt hat und auch von Interessen, Macht und Herrschaft handelte. Dies ist die Blindstelle des Buchs.
Natürlich gab es auf „nationaler“ Ebene für die Deutschen nicht viel zu entscheiden (das änderte sich jedoch von 1948 an), aber die kommunale Ebene und die der Länder fehlen in der Darstellung. Hier jedoch prägte sich die „Graswurzel‧demokratie“ langsam aus, hier gab es Neuanfänge und Kontinuitäten, hier wurde um Weichenstellungen gestritten, um Entnazifizierung, Wiedergutmachung, Verfassungen und noch anderes. So eingängig und anschaulich die beiden Autoren formulieren, so flott schreiben sie auch über einige spannende Forschungskontroversen hinweg. Wer schon viel zur Besatzungszeit weiß, findet wenig Neues im Buch, für denjenigen, der eine Einführung sucht, bietet es sich jedoch an
Rezension: Wolfrum, Edgar





