Die Autorinnen und Autoren der Epochenkapitel sowie die Herausgeberin Pat Thane gehören zu den führenden Hi?sto?rikern auf diesem Gebiet, die – in guter angelsächsischer Tradition – wissenschaftliche Präzision mit einem angenehmen und leserfreundlichen Stil verbinden. Sie räumen mit vielen landläufigen Vorurteilen über die Geschichte des Alters auf und zeigen, daß in allen untersuchten Epochen ein breites Spektrum durchaus auch gegensätzlicher Altersbilder und Altersrealitäten bestand.
Eine historische Entwicklungslinie ist in diesem bunten Puzzle kaum auszumachen, sie wird in einigen Beiträgen auch explizit verneint. Schon immer sei das Alter nicht nur die längste, sondern auch die facettenreichste Lebensphase gewesen. Im 20. Jahrhundert allerdings erreiche die Bandbreite der Unterschiede, so die Herausgeberin, ein nie zuvor gekanntes Ausmaß. Zugleich identifiziert sie aber doch Gemeinsamkeiten des Alters in der westlichen Welt, die das 20. Jahrhundert von den vorhergegangenen Epochen unterscheiden: die Tatsache, daß nunmehr fast alle Angehörigen einer Generation ein hohes Alter erreichen, ein großes Ausmaß an sozialer Sicherung, eine Verbesserung des Gesundheitszustands und damit der Partizipationschancen und schließlich auch ein gestiegenes Selbstwertgefühl der älteren Menschen. Im Unterschied zu vielen pessimistischen Pro?gnosen sieht sie diese Entwicklung als großen Fortschritt an.
Das Buch beruht fast ausschließlich auf englischsprachiger Literatur, aber trotzdem gelingt den Autoren der angestrebte europäische Überblick. Zu den großen Vorzügen des gut übersetzten Bandes gehören seine reichen Illustrationen, die das Spektrum der neben- und gegeneinander stehenden Altersbilder sichtbar machen und nicht nur das Lesen, sondern auch das Blättern vergnüglich gestalten.
Rezension: Ehmer, Josef





