Die Länder Estland, Lettland und Litauen sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, deren Teil sie waren, wieder neu ins Bewusstsein gerückt – nicht zuletzt als Reiseziel für Touristen. Historische Bezüge zu Deutschland finden sich schnell, etwa die lange einflussreiche deutsche Minderheit in Estland und Lettland oder die Nachbarschaft Litauens zu Ostpreußen, mit dem es enge Beziehungen pflegte. Einer Geschichte des Baltikums haben sich Norbert Angermann und Karsten Brüggemann zugewandt, wobei sie die kulturellen, konfessionellen und sprachlichen Unterschiede der drei Staaten betonen. Und diese Differenzen zeigen sich deutlich im Durchgang durch die Jahrhunderte: Während etwa lettische und estnische Gebiete im Mittelalter durch Deutsche und Dänen unterworfen und – unter großen Widerständen – christianisiert wurden, behaupteten die Litauer ihre Eigenständigkeit. Erst nach der dynastischen Verbindung mit Polen im 14. Jahrhundert bekannten sich die Litauer zum Christentum. Die Autoren schildern die wechselnden Herrschaftsverhältnisse in der Region ebenso wie die im 19. Jahrhundert aufkeimenden Emanzipationsbewegungen.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Norbert Angermann/Karsten Brüggemann
Geschichte der baltischen Länder
Verlag Philipp Reclam jun., Ditzingen 2018, 360 Seiten, € 29,–





