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Römische Geschichte mit Makeln

Autor: Dr. Philipp Deeg

Martin Verg möchte mit seinem Buch die faszinierende Geschichte Roms einem breiten Publikum nahebringen und gleichzeitig erklären, weshalb diese Geschichte uns noch immer etwas zu sagen hat. Ein hehres Anliegen! Das Konzept ist insofern ori…

Römische Geschichte mit Makeln
Martin Verg möchte mit seinem Buch die faszinierende Geschichte Roms einem breiten Publikum nahebringen und gleichzeitig erklären, weshalb diese Geschichte uns noch immer etwas zu sagen hat. Ein hehres Anliegen! Das Konzept ist insofern originell, als – anders als in vielen Darstellungen für ein breites Publikum – keine Ereignisgeschichte Roms erzählt wird, sondern das Buch thematisch gegliedert ist.
Autor
Dr. Philipp Deeg
21. August 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Rezensionen

Dr. Philipp Deeg

Martin Verg möchte mit seinem Buch die faszinierende Geschichte Roms einem breiten Publikum nahebringen und gleichzeitig erklären, weshalb diese Geschichte uns noch immer etwas zu sagen hat. Ein hehres Anliegen! Das Konzept ist insofern originell, als – anders als in vielen Darstellungen für ein breites Publikum – keine Ereignisgeschichte Roms erzählt wird, sondern das Buch thematisch gegliedert ist.

Verg hat als erfahrener Journalist auch den richtigen, oft augenzwinkernden Schreibstil, den ein solches Buch braucht. Die Infokästen, die unter den Überschriften „bonum scire“, „semper verba recta“ und „numeri placent“ ergänzende Hintergrundinformationen bieten, sind zwar an sich nichts Neues, aber natürlich gerade zum systematischen Aufbau eine wichtige Ergänzung.

Und doch lässt das Lesevergnügen rasch nach. Das beginnt mit manch steiler These, was uns mit dem Alten Rom verbindet: Dass der Bildungsgrad heutzutage noch immer oft genug vom elterlichen Geldbeutel abhängt, sollen wir von Rom übernommen haben? Eine gewagte These! Man mag das noch als humorvolle Übertreibung verbuchen.

Doch leider ist das Buch dann doch auch voller Wiedergaben veralteter Forschungsstände und falscher Angaben. So irritiert etwa, dass zunächst behauptet wird, Caesar habe Ägypten dem Römischen Reich einverleibt, wo Verg es an späterer Stelle doch besser weiß und korrekt Oktavian, dem späteren Augustus, zuschreibt. Ähnlich, wenn just den Soldatenkaisern eine Stabilisierung des Reiches zugesprochen wird, während deren Herrschaftszeit andernorts korrekt als Reichskrise des 3. Jahrhunderts bezeichnet wird.

Handfest falsch wird es, wenn es heißt, Oktavian habe nach Erreichen des Konsulats das höchste Amt im Staat nicht mehr abgegeben – hat er eben doch, und etwas anderes zu behaupten, ist nicht als didaktische Reduktion zu verzeihen, ja verstellt sogar jede Möglichkeit, das eigenwillige Herrschaftssystem, das Augustus etablierte, zu verstehen.

Die Behauptung, die Adoptivkaiser des 2. Jahrhunderts hätten stets den besten Kandidaten zum Nachfolger erkoren, ist ein alter, längst abgelegter Hut; sie geht der Verbrämung auf den Leim, die das zufällige Faktum, dass diese Herren keine leiblichen Thronerben hatten, übertünchen sollte. Sie übersieht zudem, dass auch unter den julisch-claudischen Kaisern nie die Herrschaft vom Vater auf den leiblichen Sohn übergegangen war und auch bei ihnen die Adoption eine wichtige Rolle gespielt hatte.

Wenn es schließlich just in einem Infokasten heißt, Rom habe die Demokratie nicht erfunden, aber „übernommen und weiterentwickelt“, wird es vollends haarsträubend: Die römische Republik war nie eine Demokratie – und entstand ungefähr zur selben Zeit wie die attische Demokratie, was schon chronologisch eine „Übernahme“ sichtlich erschwert.

Von der Lektüre des Büchleins ist daher leider abzuraten: Der Experte bleibt nicht amüsiert zurück, und der Laie hält sich für besser informiert, als er ist. Schade – es hätte mehr Potential darin gesteckt.

Martin Verg, Das Imperium kehrt zurück. Warum uns das alte Rom neu fasziniert. Piper Verlag, München 2025, 224 Seiten, € 18,–.

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