Dr. Sebastian Rojek
Kristina von Schweden (1626– 1689) ist in ihrem Heimatland deutlich bekannter als hierzulande. Die Journalistin Jutta Jacobi unternimmt in ihrem Buch den Versuch, die Tochter Gustav II. Adolfs einem breiten Publikum vorzustellen. Ihre Biographie ist überaus locker geschrieben und informiert über die wichtigsten Stationen in Kristinas Leben. Die Königstochter wurde in eine Zeit der Kriege hineingeboren und verlor mit fünf Jahren ihren Vater, der in der Schlacht bei Lützen fiel. Nach einer Phase der Vormundschaft, in der sie wie ein männlicher Thronfolger erzogen wurde, bestieg sie mit 18 Jahren den schwedischen Thron.
Die Autorin folgt ihrer Protagonistin durch Krieg und Frieden, erläutert ihr ausgeprägtes Bildungs- und Kulturstreben sowie ihr Bemühen um eine repräsentative und prunkvolle Hofhaltung. Kristina verweigerte sich zeitlebens der Ehe und geriet zunehmend in innenpolitische Konflikte. Schließlich trat sie von ihrem Amt zurück, reiste durch Europa und konvertierte zum Katholizismus. In Rom verbrachte sie schließlich viele Jahre, in denen Kultur, Wissenschaft und Theater eine zentrale Rolle spielten. In ihren Memoiren gibt sie zu erkennen, dass sie sich – obwohl weiblich – eher als Mann sah. Nicht zuletzt ihre Überschreitung der damaligen Geschlechterrollen sichert ihr bis heute die Aufmerksamkeit der Historiographie.
Jutta Jacobi, Königin ohne Land. Kristina von Schweden. Eine Biografie. Reclam Verlag, Ditzingen 2026, 282 Seiten, € 28,–.





