Dr. Sebastian Rojek
Die einschlägig ausgewiesene britische Historikerin Eleanor Barraclough möchte in ihrem Buch ein breites Publikum mit der Lebens- und Alltagswelt der Wikinger vertraut machen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Politik oder die Plünderungszüge der Nordmänner, die seit dem 8. Jahrhundert auf ihren Schiffen über die Gewässer fuhren, um Beute im restlichen Europa zu machen. Jenseits von Klischees brutaler Grobiane führt Barraclough gut lesbar durch unterschiedliche Aspekte der Wikingerkultur. Es geht unter anderem um Runen und Sagas, Rituale, Reisen, Glaube, den Umgang mit dem Körper, die Einrichtung des Zuhauses sowie die Spiele, mit denen die Wikinger sich die Zeit vertrieben.
Gewürzt mit einer Prise Humor, aber gleichzeitigem Bezug auf die Forschung, entsteht ein spannendes und mitunter intimes Bild der Wikinger und der archäologischen Forschung in diesem Bereich. Barraclough informiert über die Grenzen und Möglichkeiten der Quellen, seien es Münzen, Schieferplatten oder Grabbeigaben. Interessierte Leser erhalten also nicht nur eine auf das individuelle Leben fokussierte Einführung in die Wikingerzeit, sondern auch einen Überblick über die Methoden, mit denen die Forschung versucht, die Lebenswelt der Nordmänner und -frauen zu erhellen.
Eleanor Barraclough, Im Schein von Gold und Feuer. Die verborgene Welt der Wikinger. Penguin Random House Verlagsgruppe, München 2026, 494 Seiten, € 22,–.





