Der Autor gibt umfassende Einblicke in die Entstehung und Veränderungen im Druck- und Verlagswesen, beispielsweise berichtet er davon, dass Verlage im 18. Jahrhundert dazu übergingen, populäre Romane auf drei Bände zu strecken. Die sogenannten „Dreidecker“ garantierten ihnen ein Einkommen, trieben aber auch die Buchpreise künstlich in die Höhe. Parallel zu den Neuerungen in der Buchdruckkunst und der Entstehung, aber auch dem Rückgang verschiedener Genres verfolgt Lyons die Entwicklung des Buches auch als eine Geschichte der Bildung. Während in hierarchischen Gesellschaften der Antike oder im Mittelalter nur relativ wenige Menschen Zugang zur Schriftkultur hatten und so die Weitergabe von Wissen kontrollierten, ist die moderne westliche Gesellschaft eine Welt der Massenmedien, in der so viel publiziert wird wie nie zuvor. Lyons beschreibt, wie der Buchdruck es ermöglichte, nicht nur religiöse, sondern auch wissenschaftliche Abhandlungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Zwischen 1751 und 1772, in einer Zeit, als Bücher zu Konsumgütern wurden, erschien Diderots Enzyklopädie, eines der größten Buchprojekte des Jahrhunderts. Rund 150 Intellektuelle arbeiteten daran, Ziel des Projektes war es, ein Manifest des Vernunftglaubens und der Gesellschaftskritik der Aufklärung zu publizieren. In den ersten zwanzig Jahren nach der Veröffentlichung der Enzyklopädie wurden mehr als 4000 Exemplare verkauft. Ferner berichtet Lyons davon, dass die Alphabetisierung nicht zwangsläufig mit der Schulbildung generell einherging: Ein Teil der Bevölkerung Englands und Frankreichs, der vor der Einführung der Schulpflicht im späten 19. Jahrhundert keine Schulbildung erhalten hatte, hätte dennoch von Verwandten, Kollegen oder aufgeschlossenen Arbeitgebern die Fähigkeit zu lesen erworben.
Rezension: Helena Gußen





