Geben Sie auf, jeder Widerstand ist zwecklos“, schallte es zu der Garage hinüber, in der sich zwei der meistgesuchten Terroristen der Bundesrepublik verschanzt hatten. Doch obwohl sich etwa 150 geladene Waffen auf die beiden Belagerten richteten, dachten Andreas Baader und Holger Meins nicht daran, sich zu ergeben. Tränengasgranaten, die zu ihnen herüberflogen, beantworteten sie mit Pistolenschüssen.
Es war der 1. Juni 1972, der vorläufige Höhepunkt einer vom Terror der „Roten Armee Fraktion“ bestimmten Zeit. Für die sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt (1969 –1974) war der Erfolg im Kampf gegen die RAF ein Anliegen von großer Wichtigkeit. Großaktionen der Polizei, mit denen nach der RAF gefahndet wurde, blieben zwar eine Zeitlang weitgehend erfolglos. Allerdings rüsteten die Behörden praktisch und strategisch auf: Landeskriminalämter, Militärischer Abschirmdienst (MAD) und Bundesnachrichtendienst (BND) arbeiteten bei der Terroristenjagd immer enger zusammen.
Die RAF machte unterdessen vor allem mit Banküberfällen von sich reden. Um die 1,4 Millionen Mark hatte sie bereits erbeutet. Allein bei einem Überfall auf die Filiale der „Hypo-Bank“ in Ludwigshafen, bei dem sich die Räuber mit Karnevalsmasken tarnten, wurden am 21. Februar 1972 rund 285 000 Mark erbeutet.
Das Leben im Untergrund war teuer. Und der Kampf gegen die ganze Republik kostete nicht nur Geld, sondern auch Nerven. Als der Drucker Hans-Peter Konieczny Kontakt zur RAF suchte und von seinem Anwalt mit Andreas Baader und Gudrun Ensslin bekanntgemacht wurde, stellte er fest, wie mitgenommen Baader wirkte: „Er sah irre bleich aus – wie ein Theaterschauspieler, der geschminkt ist.“ Auch einer Psychologin, bei der Baader und Ensslin immer wieder unterkamen, fiel auf, wie müde und abgekämpft die beiden stets aussahen.
Es lässt sich heute nicht mehr genau bestimmen, wie weit die Unterstützung der politischen Linken in der Republik für die RAF reichte. Nachdem die systemkritische Studentenbewegung der 1968er nach dem Anschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke immer weiter zersplittert war und an Kraft verloren hatte, gab es in einem bestimmten Milieu jedoch Verständnis für den Entschluss einer radikalen Gruppe, in Form der RAF den Kampf gegen das „kapitalistische System“ im Untergrund mit Waffengewalt fortzusetzen. Jene, die bereit waren, den Gesuchten Unterschlupf zu gewähren oder sich ihnen sogar anzuschließen, stellten allerdings nur einen kleinen Kreis dar. Das Leben im Untergrund war ein Leben auf der Flucht.
Schon im Januar hatte es einen Schusswechsel zwischen Baader und einem Polizisten gegeben. Am 2. März wurde das RAF-Mitglied Thomas Weisbecker bei seiner Verhaftung in Augsburg erschossen, und am selben Tag kam es in Hamburg zu einem Schusswechsel, bei dem der Polizist Hans Eckhardt tödlich verwundet wurde.





