In vier Räumen erzählt die aufwändig inszenierte Ausstellung die Geschichte der sagenumwobenen Goldbacher Heidenhöhlen und ihrer Zerstörung im 19. und 20. Jahrhundert. Rund 80 zum Teil nie gezeigte Gemälde, Objekte und historische Ansichten vermitteln im Städtischen Museum Überlingen die Einzigartigkeit des faszinierenden Kultur- und Naturdenkmals, das seit der Romantik zahlreiche Besucher, Dichter und Künstler anzog.
Der erste Ausstellungsraum informiert über die wichtigsten Fakten zu Entstehung, Geologie und Geografie der in das Molassegestein des Bodenseeufers gehauenen Heidenhöhlen. Anhand einer Zeittafel können die einzelnen Stationen ihrer Geschichte nachvollzogen werden.
Im ersten der beiden folgenden, höhlenartig inszenierten Räume vermittelt die Ausstellung in geheimnisvoller Atmosphäre verschiedene Ansichten der intakten Höhlen und thematisiert die Sagen und Theorien, die sich um ihre Entstehung, Nutzung und Funktionen ranken. Die Heidenhöhlen entstanden vermutlich im 8./9. Jahrhundert und wurden in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgebaut. Sie bestanden aus einem Ostteil, der sich durch Räume mit geraden Wänden und architektonischer Verzierung auszeichnete sowie aus einem weniger kunstvoll ausgebauten Westteil. Welche Funktionen das Höhlensystem in frühen Zeiten erfüllte, ist nicht dokumentiert. Doch sind analog zu anderen, besser dokumentierten Höhlen Nutzungen als Fluchtburg, Wohnung oder Speicherort naheliegend. Im 18. Jahrhundert gibt es Nachrichten über in den Höhlen lebende Eremiten, um 1750 hauste dort räuberisches „Gesindel“. Zweifelsfrei belegt ist um 1200 der Ausbau des östlichen Teils zu einer frühgotischen Kapelle, ähnlich der nahegelegenen Felskapelle St. Katharinen. >> Eine Hörstation mit Auszügen aus dem berühmten Roman „Ekkehard“ (1854) des Schriftstellers Joseph Victor von Scheffel lässt den Zauber des Ortes nachempfinden, wie er in dem Kapitel „Der Alte in den Heidenhöhlen“ beschrieben wird.
Die Räume drei und vier thematisieren anhand von historischen Bildern, Fotografien, Postkarten und Vermessungsgeräten die schrittweise Zerstörung der Heidenhöhlen im 19. und 20. Jahrhundert: Sie beginnt mit dem Bau der 1850 fertig gestellten Uferstraße zwischen Überlingen und Ludwigshafen. An ihrem Nutzen bestanden schon bei der Genehmigung 1844 erhebliche Zweifel, doch sollte wohl das Straßenbauprojekt in der damals schlechten Wirtschaftslage Arbeitsplätze schaffen. 1846 begann der Abriss jenes Teils des Felsens, der in den See hineinragte, 1847 gefolgt von dem Abschnitt zwischen Überlingen und Goldbach.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts zeigten sich am verbliebenen Teil der Heidenhöhlen durch die starke touristische Nutzung deutliche Verfallserscheinungen. Wegen bestehender Einbruchgefahr wurden am 13. Juli 1960 auch die ver¬bliebenen Räume der Heidenhöhlen weggesprengt und abgetragen. Da im Vorfeld weder eine fotografische Dokumentation noch eine wissenschaftliche Untersuchung erfolgte, ist es heute kaum noch möglich, das genaue Aussehen dieses komplexen Systems aus Gängen und Räumen zu rekonstruieren. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Angeboten für Kinder und Jugendliche, Wanderungen und einer Bustour sowie Angeboten für Schulen.





