Im deutschen Kaiserreich lebte ein Volk der Briefeschreiber. Längst war diese Form der Kommunikation keine Domäne der Oberschicht mehr, wie noch zu Zeiten Johann Wolfgang von Goethes oder Annette von Droste-Hülshoffs. In der umfassend alphabetisierten Gesellschaft des Kaiserreichs schrieben alle Briefe. Mit der Einführung der „Correspondenz-Karte“ 1869 wurden auch kurze und kürzeste Nachrichten ausgetauscht. Rund 5,5 Milliarden Briefe transportierte die deutsche Postverwaltung um 1910 jedes Jahr. Das entsprach 105 Briefen pro Kopf der Bevölkerung, nicht sehr viel weniger als heute, wobei heute die meisten Briefe Rechnungen und Reklame sind.
Damals waren Briefe und Postkarten dagegen die einzige Möglichkeit, wie die Menschen miteinander Kontakt halten konnten, selbst auf kürzesten Distanzen innerhalb von Städten. In Berlin und anderen deutschen Großstädten bildete die „Stadtpost“ eine eigene Unterorganisation, die Nachrichten ganz selbstverständlich innerhalb von wenigen Stunden innerhalb der Stadtgrenzen zustellte.





