“Es ist noch keine zwanzig Jahre her, daß man sich darauf versteht, Brillen zu verfertigen, die die Sehkraft verbessern, das ist eine der besten und notwendigsten Künste, über die die Welt verfügt…” So sprach 1305 Giordano da Pisa in einer Predigt in der Florentiner Kirche Santa Maria Novella, und wessen Sehkraft bereits gelitten hat und der deshalb den besprochenen Gegenstand benötigt, der wird ihm sicherlich zustimmen. Mit Witz und Schwung breitet die italienische Mediävistin Chiara Frugoni in ihrem Buch “Das Mittelalter auf der Nase” eine Vielzahl von “Erfindungen” des Mittelalters aus, vom Papier über die Null bis zur Tonleiter, von den Knöpfen über das Schachspiel bis zur Nudel. So wird dem Leser ein unterhaltsamer Streifzug durch die Geschichte zahlreicher Alltagsgegenstände und deren Gebrauch geboten, wobei die Autorin sich in großem Maße auf Bildquellen stützt. Archäologische Funde werden dagegen überhaupt nicht berücksichtigt. Schade ist auch, daß Frugoni nicht zwischen wirklichen Erfindungen des Mittelalters und Wiederaufnahmen oder Wiederentdeckungen unterscheidet. Oftmals ist es ja gerade die kreative Adaption einer Idee, die ihr erst zum Durchbruch verhilft, wie dies etwa bei der Papierherstellung der Fall war, die bereits 1000 Jahre früher in China erfunden worden war.
Rezension: Talkenberger, Heike





