Angefertigt wurde das Dokument 819 oder um 827/830 im Kloster Reichenau. Als Hauptautor gilt der Schreiber Reginbert (um 770–846). Um die stattliche Größe von 112 mal 77,5 Zentimetern zu erreichen, mussten fünf Streifen Schafspergament mit Seidenfäden zusammengenäht werden.
Vieles, was man über den Klosterplan weiß, ergibt sich aus der Widmung, die ganz oben (1) in Latein eingefügt wurde. Übersetzt lautet der erste Satz: „Dir, liebster Sohn Gozbert, habe ich diese knappe Aufzeichnung einer Anordnung der Klostergebäude geschickt, damit du daran deinen Scharfsinn üben und jedenfalls meine Anhänglichkeit erkennen mögest.“
Der Autor fügt hinzu, man wolle damit nicht belehren, es handele sich um einen Freundschaftsdienst. Tatsächlich scheint es sich also um einen Idealplan zu handeln, der zeigt, wie das perfekte Kloster der karolingischen Zeit hätte aussehen können.
Zentrale Elemente sind neben der Kirche (2) und dem Kreuzgang (3) auch der Schlafsaal (4), der Speisesaal (5) und die Bibliothek mit der Schreibstube (6). Zur Versorgung des Klosters dürfen der Keller für Wein und Bier (7) sowie der Nutzgarten (8) und die Küche (9) nicht fehlen. Der Text unten links wurde im 12. Jahrhundert ergänzt.
Was vielleicht den Charakter des Plans als Übung für den „Scharfsinn“ unterstreicht, ist der Umstand, dass es sich bei den 333 lateinischen Beschriftungen vielfach um Synonyme handelt, so werden etwa die eingezeichneten Abtritte immer wieder anders bezeichnet – quasi als Vokabeltraining.
Info
Die einmalige Architekturskizze gehört bis heute zum Bestand der Stiftsbibliothek St. Gallen und trägt die Signatur „Codex Sangallensis 1092“. Der Klosterplan wird in einer Dauerausstellung im Stiftsarchiv St. Gallen gezeigt.





