Haarmann beginnt mit den Anfängen des europäischen Bauerntums im 7. Jahrtausend und beschreibt die Einwanderung von Landwirtschaft treibenden Gruppen aus Anatolien. Der Autor bestreitet dabei eine Besiedlung durch Bauern über den Seeweg, weil dies technisch und logistisch nicht möglich gewesen sei. Er vergisst, dass Zypern und wohl auch Kreta, die westlichen Mittelmeerküsten und Nordostafrika von Bauern besiedelt worden sind und hierbei mit Sicherheit Wasserfahrzeuge zum Einsatz kamen.
Gleichwohl gilt Haarmann allein der Weg über den Bosporus als einzig mögliche Kommunikationsroute. Dieser soll damals noch trocken gewesen sein, da die „Große Flut“, das Auffüllen des Schwarzen Meeres, noch nicht fortgeschritten war. Jene Landbrücke habe das Einfallstor von Asien nach Europa geboten. Den, eigentlich sukzessiven, Durchbruch des Bosporus verbindet Haarmann schließlich mit altweltlichen Flutmythen bis hin zur biblischen Sintflut. Das mag man glauben oder nicht, wissenschaftlich bewiesen ist nichts.
Der Autor beschreibt die Entstehung der einzelnen angesprochenen Kulturen, dann folgen Kapitel zum „Wirtschafts- und Lebensraum“, zu „Handwerk und Kunst“ oder zu „Religion und Mythologie“. Hier erhält der Leser einen recht soliden Überblick über die materielle Kultur des südosteuropäischen Neolithikums. Im Kapitel zu den soziopolitischen Strukturen der „Donauzivilisation“ wendet sich Haarmann dann jedoch zwei alten, aber immer noch populären Ideen zu: Die frühen Bauern seien in einer egalitären Ordnung organisiert gewesen, außerdem habe es ein „Matriarchat“ gegeben. Haarmann unterstellt hier einen Konsens der Forschung, der so nicht besteht, im Gegenteil: Im letzteren Fall spricht einiges für patrilokale Verhältnisse. Die oft beschworenen Frauenstatuetten dürften wohl Sinn‧bilder für Fruchtbarkeit gewesen sein, sicherlich aber keine Nachweise für politisch-soziale Führungsrollen von Frauen.
Eigenwillig wird das Büchlein auch, wenn es um die Sprachgeschichte geht. Ritzungen, Zeichen und Symbole erklärt Haarmann zu den Zeugnissen einer „Donauschrift“, deren Einsatz im religiösen Bereich gelegen haben soll. Von dieser postulierten frühen Schriftlichkeit Alteuropas zieht er die Verbindungen bis zu den ägäischen Schriftsystemen. Auch hier bleibt vieles Spekulation.
So gehen Haarmanns Ausführungen des Öfteren an der Datenlage vorbei. Zwar sind die kulturellen Leistungen der Gesellschaften des 7. bis 4. Jahrtausends in Alteuropa keinesfalls zu schmälern, von einer „Donauzivilisation“ mag man jedoch nicht sprechen wollen. Sicherlich dürfte es sich um miteinander über weitreichende Netzwerke verbundene Gemeinschaften gehandelt haben, aber eben nicht um politisch geeinte, wie sie in Hochkulturen zu erwarten wären. Auch die Schriftlichkeit ist, trotz des tieferen Symbolgehalts vieler Zeugnisse, zumindest umstritten.





