Daß ohne das neue Medium des Buchdrucks die Reformation kaum so durchschlagenden Erfolg gehabt hätte, ist seit längerem ein Gemeinplatz der historischen Forschung zum 16. Jahrhundert. Johannes Burckhardt radikalisiert in seinem Buch “Das Reformationsjahrhundert” diesen Gedanken, wenn er unter der Überschriuft “M.L. das Medium findet seinen Autor” darstellt, wie Martin Luther nicht nur das neue Medium in überragendem Maße nutzte, sondern selbst zum Medienereignis wurde. Die Reformation wird Burckhardt so zur “Geschichte aus der Druckerpresse”, die sich in und mit der neuen “reformatorischen Öffentlichkeit” durchsetzte. Auch der Bauernkrieg wird in diesem Blickwinkel zum “Medienkrieg”. Die Thesen bringen allerdings lediglich frühere Forschungen (etwa von Wohlfeil oder Scribner) auf den Punkt, sind also keineswegs so grundstürzend neu, wie sie manchem Rezensenten erschienen sind. Von der Bedeutung des Buchdrucks ausgehend entwirft Burckhardt ein anschauliches, lebendiges Bild des 16. Jahrhunderts, das durch die erfrischende Sprache des Autors wie entstaubt wirkt.
Rezension: Talkenberger, Heike





