Diese Synagoge war nicht irgendein Sakralbau. Sie war der Stein gewordene Anspruch der Berliner Juden, als gleichberechtigte Mitbürger anerkannt zu werden – ohne die eigene Religion aufgeben zu müssen. Und die illustren Gäste, die bei der Einweihung am jüdischen Neujahrsfest im Jahr 1866 anwesend waren, zeigten ebenso sinnfällig, daß dieser Anspruch zumindest offiziell anerkannt wurde: Das halbe preußische Kabinett samt dem „Ministerpräsidenten Gf. von Bismarck“ war zugegen. „Es ist ein Gebäude, welches mitten in die moderne prosaische Welt die Wunder des Orients zaubert.“ Dieser Satz aus der „Illustrirten Berliner Morgenzeitung“ war nicht die einzige begeisterte Stimme. Die „Neue Synagoge“ wurde rasch zu einer besonderen Sehenswürdigkeit der Stadt. Das lag zum einen an der von goldenen Rippen umfaßten, 50 Meter hohen Kuppel. Aber auch die kunstvolle Ornamentik und die meisterhafte Deckenkonstruktion aus Stahl forderten allen Besuchern Respekt ab – sogar den Antisemiten. So bedauerte Heinrich von Treitschke, „daß das schönste und prächtigste Gotteshaus der deutschen Hauptstadt eine Synagoge ist“. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs beschädigten das Gebäude schwer: Im Jahr 1958 wurde der Synagogenhauptraum gesprengt. Seit 1995 erstrahlen jedoch Kuppel und Fassade in restauriertem Glanz.





