Es ist dem „41. Jahr“ der DDR gewidmet, das die beiden Her-ausgeber zu Recht als das „spannendste der gesamten DDR-Geschichte“ bezeichnen. Denn tatsächlich war zwischen dem 7. Oktober 1989 – dem 40. Geburtstag der DDR – und dem 3. Oktober 1990 – dem Tag der Wiedervereinigung – keine der Entwicklungen vorgezeichnet, die Deutschland und Europa in kürzester Frist veränderten. In jener Zeit zählten Monate wie Wochen, Wochen wie Tage und Tage wie Stunden. Gewissheiten, die beim Aufstehen noch galten, konnten abends bereits Geschichte sein.
Es ist das Verdienst des Buchs, die Rasanz der Ereignisse zu verdeutlichen. Es ist nach Monaten gegliedert, die jeweils mit einer Chronik beginnen; es schließen sich kurze Analysen, autobiographische Schilderungen sowie Dokumentenauszüge an. Daraus entsteht ein dichtes Bild jenes Umbruchjahrs, in dem die Ostdeutschen Geschichte geschrieben haben. Besonderen Anteil an der Vergegenwärtigung dieser Zeit haben die Fotos von Andreas Kämper. Der Band macht deutlich, dass es die DDR-Bürger waren, die mit ihrem friedlichen Protest die Diktatur überwanden und dann in freier und bewusster Entscheidung die Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Er ist Medizin gegen die vergiftenden Debatten, in denen von der Kolonisierung der DDR durch den Westen die Rede ist. Dabei sparen Bahrmann und Links nicht an Kritik an zahlreichen Entscheidungen, die damals getroffen worden sind. Doch auch sie haben rückwirkend keine Patentlösung, die den wirtschaftlichen Zusammenbruch Ostdeutschlands hätte abwenden können.
Rezension: Dr. Ulrich Mählert
Hannes Bahrmann/Christoph Links
Finale
Das letzte Jahr der DDR
Ch. Links Verlag, Berlin 2019, 320 Seiten, € 18,–





