Das entstandene Potpourri an Geschichte führt den Leser und Betrachter mosaikartig ein in die blutigen Jahre des Umbruchs im vergangenen Jahrhundert. Die Autoren haben sich dabei Mühe gegeben, ihre Arbeiten allgemein verständlich zu halten und machen das Geschehen anhand von Beispielen, Zahlen und vor allem einem außerordentlich gut gewählten Bildmaterial greifbar. Bereits in der Einführung stellt Piper das gängige Prädikat „Urkatastrophe“ als Sinnbild des Ersten Weltkrieges in Frage. Er weist auf die lange Vorgeschichte des Konfliktes hin und zieht den Vergleich mit Naturereignissen, die im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg „unvermittelt“ über die Menschen hineinbrächen. So berechtigt der Hinweis auf die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges ist, muss man doch anmerken, dass der Vergleich schief ist: Denn Naturkatastrophen haben wie Katastrophen von Menschenhand Gründe – manchmal, man bedenke den Klimawandel, führen letztere sogar zu erstgenannten.
Die Beiträge behandeln dann unter anderem Heimatfront und Kriegsfinanzierung, Zwischenkriegszeit und Kriegsschuld, Hitler und den Holocaust. Aber es werden auch die verschiedenen Zonen des Krieges bedacht: Zu Wasser, zu Land und aus der Luft. Inhaltlich erläutern die meisten Beiträge ihre Thematik anhand des Ersten und des Zweiten Weltkrieges, ohne eine tiefgreifende analytische Verbindung vorzunehmen. Neue Interpretationsansätze stehen nicht im Vordergrund – die Autoren erklären und halten sich dabei an den aktuellen Forschungsstand. Somit gerät auch die anfangs aufgestellte These eines „zweiten Dreißigjährigen Krieges“ (Winston Churchill) – eben einem „Zeitalter“ der Weltkriege – etwas ins Hintertreffen, denn nur durch die Betrachtung unterschiedlicher Aspekte mit demselben zeitlichen Bezug, 1914-1945, entsteht nicht zwangsläufig ein kausaler Zusammenhang; zumal eine Verknüpfung der Beiträge untereinander auch nicht vorgenommen wird.
Eine Gesamtdarstellung ist „Das Zeitalter der Weltkriege“ nicht – auch wenn der Titel das vermuten lassen könnte. Vielmehr arbeitet das Buch einzelne Gesichtspunkte der Materie Krieg und Zwischenkriegszeit erzählend heraus und liefert dazu eindrucksvolle Bilder. Die Art und Weise ist jedoch bestechend und kann (auch) ein Publikum abseits der Historiker begeistern.
Rezension: Tim Brückmann





