Bücher Die Unvergleichliche Paris ist zwar immer eine Reise wert – aber was weiß man schon davon, wie die Stadt wurde, was sie ist, und was geschehen musste, damit sie sich zum lohnenden Ziel entwickeln konnte? Andreas Sohn, als Professor an der Universität Paris XIII wirkend und durch viele Arbeiten zum Thema seit langem bestens ausgewiesen, bietet auf der Basis gründlicher Kenntnis der Quellen dem interessierten Laien die bisher einzige zuverlässige und sehr gut lesbare Geschichte der Stadt Paris in deutscher Sprache. Danach folgen auf über 60 Seiten die Nachweise der neuesten Forschung und ihre wichtigsten Kontroversen. Ausgehend von der verspäteten und diffusen Hauptstadtbildung in Deutschland, bespricht er die Voraussetzungen für Zentralität und fragt, ab wann Paris, dieser unvergleichliche Sonderfall, Hauptstadtqualitäten vorzuweisen hatte. Dieses Problem ist Gegenstand des Buches, eingebettet in eine das Wesentliche klar, präzis und gut verständlich erzählende Geschichte des französischen Königtums. Dieses baute seit dem Herrschaftsantritt des Hauses Capet 987 im Pariser Raum ein politisches Zentrum auf, hatte allerdings bis zur Regierung Heinrichs I. (1031–1060) einen mindestens ebenso bedeutenden Schwerpunkt in Orléans. Eingehend beschreibt Sohn den allmählichen Ausbau der Stadt zur Festung (den Bau des Louvre durch Philipp II.) und zur Residenz (den Bau der Sainte-Chapelle als geistliches Zentrum von Hof und Dynastie) mit den Häusern geistlicher und weltlicher Fürsten. Sohn erklärt sehr gut den Aufstieg zum Wirtschaftszentrum aus dem Zusammenwirken verschiedener Faktoren (Residenzfunktion, Verkehrslage, Bevölkerungswachstum) und zeigt die dadurch entstandene, teilweise bis heute vorhandene Sozialtopographie (Wirtschaft, Handel und Gewerbe auf dem rechten Ufer, Universität und intellektuelles Leben auf dem
linken, Bischof und Exekutive auf der Cité-Insel). Weil dem Aufstieg des Bischofssitzes seit der Spätantike ein eigenes Kapitel gewidmet ist, kann der heutige Paris-Reisende sich das Wachsen der städtischen Sakraltopographie gut vorstellen, wie sie ihm in den Kirchenbauten, aber auch in den Namen von Straßen, Plätzen oder Metrostationen begegnet: die Vorstufen der Kathedrale NotreDame, der Klöster und Stifte wie Saint-Germain-des-Prés oder Saint-Martin-des-Champs und die Bedeutung des Klosters Saint-Denis vor den Toren. Darüber hinaus aber wird er sachkundig über die kirchengeschichtlichen Voraussetzungen informiert, mit dem wichtigen Hinweis, dass die im Lauf der Zeit wachsende Bedeutung des Pariser Bischofs seiner Stellung in der kirchlichen Hierarchie keineswegs entsprach, sondern der bald zur Metropole werdenden, wirtschaftlich potenten und bevölkerungsreichen Residenzstadt der Könige geschuldet ist. Ähnliches gilt für Schulen und Studium, für das Entstehen der Universität und den Weg zum wissenschaftlichen und intellektuellen Zentralort Europas. Wie sagte Georg Christoph Lichtenberg? „Wer zwei Hosen besitzt, mache eine zu Geld und schaffe sich dieses Buch an.“ Prof. Dr. Joachim Ehlers
Europas als „Herz der Finsternis“. In seinem grandiosen gleichnamigen Roman legte Joseph Conrad 1899 derart eindrucksvoll Zeugnis ab über die Verhältnisse in der Privatkolonie des belgischen Königs Leopold II., dass diese ein Symbol für das Böse an sich wurde. In Leopolds Auftrag – der König selbst betrat sein afrikanisches Reich, 75-mal größer als sein Königreich in Europa, nie – errichteten seine Vertreter seit 1885 ein wahres Schreckensregime. Bis zu 10 Millionen Menschen sollen der Jagd nach Kautschuk zum Opfer gefallen sein. 100 Jahre später scheint sich wenig geändert zu haben. Der Kongo, seit 1960 unabhängig, wurde durch die 30jährige Alleinherrschaft Mobutu Sese Sekos (1965 –1997) und die daran anschließenden Nachfolgekämpfe ruiniert und ausgeplündert. Statt um den aus Kautschuk gewonnenen Gummi geht es nun um Tantal, das in allen Handys, Notebooks und Spielekonsolen verbaut wird. Um möglichst billig an das dafür benötigte ColtanErz zu kommen, plündern Milizen seit Jahren die Minen im Nordosten des Landes, terrorisieren das Land durch Mord und Massenvergewaltigungen. Der kongolesische Zentralstaat ist in weiten Teilen des Landes nicht präsent, der zweite Kongo-Krieg (1998 –2003), in dem sechs afrikanische Staaten auf kongolesischem Boden kämpften, hat bis zu fünf Millionen Menschen das Leben gekostet und die letzten Reste staatlicher Strukturen vernichtet.





