Stonehenge ist für seine hochaufragenden Quader-Strukturen berühmt – es handelt sich dabei um behauene Sandsteine, die aus der näheren Umgebung stammen. Neben diesem Baumaterial bilden aber auch 42 rund zwei Tonnen schwere Dolerit-Blöcke Teile von Stonehenge, die wegen ihres Farbtons Blausteine genannt werden. Schon lange ist bekannt, dass diese Brocken nicht aus der Umgebung stammen, sondern aus den weit entfernten Preseli Hills in Wales auf die Salisbury Plain gebracht worden sind. Wo sich die Steinbrüche genau befanden, konnten dann Forscher um Mike Parker Pearson vom University College London vor ein paar Jahren identifizieren.
Weit entfernte Steinbrüche
Zwei wichtige Steinbrüche lagen demnach fast 300 Kilometer von Stonehenge entfernt im Norden der Preseli-Hügel. “Der Fundort Carn Goedog war eine Quelle für den fleckigen Blaustein von Stonehenge – mindestens fünf der Blausteine und wahrscheinlich mehr stammten von dort”, sagt Teammitglied Richard Bevins vom National Museum of Wales. Bei Craig Rhos-y-felin – einem Tal unterhalb von Carn Goedog – haben die Archäologen einen weiteren Fundort als Quelle für Blausteine von Stonehenge identifiziert. Seitdem führen sie an diesen beiden Stellen Untersuchungen durch. „Wir gehen unter anderem der Frage nach, warum die Steine für Stonehenge von so weit weg antransportiert wurden”, sagt Parker Pearson.
Bei den Ausgrabungen stießen sie auf die Reste von Keilen, die offenbar für den Abbau eingesetzt wurden. Wie die Archäologen erklären, verdeutlichen diese Werkzeuge erneut, dass die walisischen Steinbrüche vergleichsweise leicht auszubeuten waren: Die Formation besteht bereits natürlicherweise aus vertikalen Säulen. Diese können durch Fugen zwischen den Einheiten von der Felswand getrennt werden. Die neolithischen Steinbrucharbeiter mussten dazu nur Keile in die Fugen hämmern und dann die gelösten Säulen an Seilen absenken. “Die Keile bestehen aus importiertem Sedimentgestein und sind viel weicher als die harten Doleritsäulen“, berichtet Parker Pearson. Vermutlich diente dies dem Schutz des begehrten Materials: „Das Hämmern eines harten Keils hätte Spannungsbrüche verursachen können. Bei einem weichen Material bricht eher der Keil als die kostbare Säule”.
Spuren des Transportverfahrens
Die Ausgrabungen am Fuße der beiden Steinbrüche förderten zudem die Überreste von künstlichen Stein- und Erdplattformen zutage. “Die Blaustein-Säulen könnten auf diese Plattform heruntergelassen worden sein und vermutlich wurden sie von dort dann auf Holzschlitten geladen, um sie abzutransportieren”, sagt Team-Mitglied Colin Richards von der University of the Highlands & Islands. Datierungen von Holzkohlestücken vom Fundort ergaben, dass sich all dies vor rund 5000 Jahren abgespielt hat.





