Der Leser erfährt spannende Details über Bayles gnadenlose Kritik am biblischen David, über die Aufgeschlossenheit Dampiers für fremde Kulturen, über das strikte Gehorsamsgebot der Franckeschen Pädagogik und die Ausdrucksvielfalt der concerti grossi Corellis. Die Interdisziplinarität des Unternehmens, die eine Zusammenschau der intellektuellen Leistungen auf den verschiedensten Gebieten ermöglicht, ist der größte Pluspunkt des Sammelbandes. Doch dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die einzelnen Beiträge von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Die Verbindung der geschilderten Denkansätze zur „politischen, sozialen und mentalen Kultur der Zeit“, die die Einleitung verspricht, wird leider kaum geleistet. Außerdem bemühen sich nicht alle Beiträge um die Rückbindung der Denkmuster an die jeweiligen individuellen Erfahrungen der Protagonisten, wie dies das erklärte Ziel des Bandes ist. Während der Konnex von Idee und Erfahrung etwa bei den lesenswerten Beiträgen von Hans-Jürgen Lüsebrink über den Ethnographen und Piraten William Dampier oder von Anette Monheim-Semrau über Arcangelo Corelli hergestellt wird, wird er bei einigen anderen Beiträgen – wie etwa dem von Marcel Nieden über August Hermann Francke – überhaupt nicht thematisiert.
Was van Dülmen als „Beitrag zu einer intellektuellen Kultur der frühen Neuzeit“ verstanden wissen möchte, ist so bei näherem Hinsehen oftmals nur alter Wein in neuen Schläuchen, ist altbekannte Geistesgeschichte, der nur das modische Mäntelchen „Kultur“ umgehängt wurde.
Rezension: Talkenberger, Heike





