Ernest Miller Hemingway wurde am 21. Juli 1899 in Oak Park, einem kleinen Ort bei Chicago, als zweites von später fünf Geschwistern geboren. Sein Vater war Arzt, seine Mutter eine begabte Opernsängerin, die ihre Karriere jedoch zugunsten der Familie zurückgestellt hatte. Den Sommer verbrachte man im eigenen Ferienhaus am Bear Lake in den Wäldern von Michigan. Guter Mittelstand also, das Leben war bequem und langweilig. Kein Wunder, daß der junge Ernest nur eines im Sinn hatte: dieser Wohlanständigkeit zu entrinnen. Nach der High School ging er zum „Kansas City Star“, damals eine der sieben renommiertesten Zeitungen der USA. Kansas City war 1917 eine aufstrebende Stadt, in der die Pionierzeit noch lebendig war, in der sich das Gesetz mühsam gegen Verbrechen, Prostitution und Korruption durchsetzte – spannendes Terrain also für einen jungen Provinzler, der sich seine ersten Sporen als Journalist verdienen wollte.
Aber es kam anders. Am 6. April 1917 traten die USA auf seiten der Alliierten gegen Deutschland und die anderen Mittelmächte in den Krieg ein. Hemingway ergriff die Chance und meldete sich freiwillig zum Sanitätskorps des amerikanischen Roten Kreuzes. Er wurde an die österreichisch-italienische Front nach Fossalta di Piave geschickt. Als die Österreicher eine schwere Kartätsche über den Fluß feuerten, die viele Italiener verwundete, sprang Hemingway auf, um bei der Bergung der Verletzten zu helfen. Er lief direkt in das Feuer eines Granatwerfers.
Wie viele junge Menschen hatte Hemingway sich bis dahin in der Illusion gewiegt, unsterblich zu sein. Das neue Bewußtsein der Zerbrechlichkeit und Gefährdetheit der menschlichen Existenz sollte von nun an sein Leben begleiten und Thema vieler Romane und Kurzgeschichten werden. Dazu kam seine erste wirkliche Begegnung mit dem anderen Geschlecht. Im Lazarett in Mailand verliebte er sich in die Krankenschwester Agnes von Kurowsky. Hemingway verarbeitete diese Liebe und seine Fronterlebnisse ein Jahrzehnt später in seinem Roman „In einem anderen Land“.
Doch davor standen die Rückkehr nach Amerika und der Umzug nach Chicago, wo er seine erste Frau Hadley Richardson kennenlernte, erneut Journalismus und erste literarische Versuche, dann die Übersiedlung als Korrespondent für den „Toronto Star“ nach Paris. Die Stadt an der Seine, das waren Pablo Picasso, Joan Miró, Paul Cézanne, Ezra Pound, Gertrude Stein, James Joyce, F. Scott Fitzgerald – kurz die Avantgarde der modernen Kunst und Literatur. Hemingway lernte sie alle kennen – und er wurde einer von ihnen. Im Jahr 1923 kam seine Kurzgeschichtensammlung „In unserer Zeit“ heraus, dann 1926 sein erster Erfolgsroman „Fiesta“. Dazwischen journalistische Reportagen und ebenfalls 1923 die Geburt seines ersten Sohnes.
Die Helden von „Fiesta“, der durch eine Kriegsverletzung impotente Jake Barnes, die lebenslu-stige Lady Brett Ashley und ihr Begleiter Robert Cohn, führen in Paris ein leeres, von Alkohol und schnellem Vergnügen bestimmtes Leben. Mehr aus Langeweile beschließen sie, einen Abstecher nach Pamplona zur Fiesta de San Fermín zu machen. Aber statt der gesuchten Unterhaltung finden sie sich mit den traditionellen Werten Spaniens konfrontiert, symbolisiert in dem Ritual in der Stierkampfarena. Als die Gruppe Spanien nach der Fiesta verläßt, kehren alle zwar wieder in ihr altes Leben zurück, aber sie sind gereift.





